Der Nationalrat ist im Ferienmodus – rund zehn Wochen steht für die Abgeordneten keine reguläre Sitzung am Programm. Nach dem Beschluss des Doppelbudgets 2027/28 am 10. Juli wurde der Urlaub eingeläutet; die nächste reguläre Plenarsitzung für die Mandatare (10.351 Euro Brutto-Gehalt pro Monat) ist erst am 23. September.
Wie haben sich die Volksvertreter im Parlament im heurigen Jahr bisher geschlagen? In die Ferien gibt's jetzt ein Zeugnis für "Mitarbeit". "Heute" zeigt anhand einer Auswertung der Parlamentsdirektion für den Zeitraum 1. Jänner bis 14. Juli 2026, welche der 183 Volksvertreter sich im Plenum am meisten zu Wort meldeten und welche fast nie.
Die Häufigkeit, mit der Abgeordnete ans Rednerpult treten, gilt auch als Gradmesser ihres Arbeitseifers.
Was in der Statistik sofort auffällt: Die Mandatare der Opposition sind weitaus häufiger am Mikro als jene der Regierungskoalition.
Besonders deutlich sichtbar ist das an der Spitze des Rankings: Sieben der zehn Redefreudigsten gehören den Oppositionsparteien an. Ganz vorne finden sich mit Elisabeth Götze (26 Redebeiträge) und Lukas Hammer (25 Wortmeldungen) zwei Grüne.
Auf Platz drei folgen mit jeweils 22 Wortmeldungen die FPÖ-Abgeordneten Dagmar Belakowitsch und Peter Wurm sowie die Grünen Sigrid Maurer und Nina Tomaselli.
Die Grünen legen sich überhaupt am meisten ins Zeug. Von den Top-15 Rednern gehören acht der Partei von Grünen-Chefin Leonore Gewessler an. Hinter den bereits genannten Götze, Hammer, Maurer und Tomaselli sind das Meri Disoski (20 Beiträge), Jakob Schwarz (20), Agnes Sirkka-Prammer (19) und Alma Zadic (19).
Zwei der Top-15 sind FPÖ-Abgeordnete (Belakowitsch und Wurm), die restlichen fünf sind Neos-Mandatare – die fleißigsten Pinken sind mit je 21 Redebeiträgen Karin Doppelbauer und Dominik Oberhofer.
Anzumerken ist, dass sich Abgeordnete kleiner Parteien – eben Grüne und Neos – leichter hervortun können, weil sie die Redezeit zwischen weniger Leuten aufteilen müssen.
Abgeordnete von ÖVP und SPÖ schaffen es nicht in die Top 15. Am vergleichsweise häufigsten ans Rednerpult zog es seitens der Roten SPÖ-Urgestein Kai Jan Krainer – er ergriff zwischen Anfang Jänner und Mitte Juli 16 Mal das Wort im Plenum. Am nächsten kommen ihm aus der eigenen Fraktion Muna Duzdar und Gewerkschaftschefin Barbara Teiber mit jeweils 15 Wortmeldungen.
Seitens der Volkspartei erwies sich Laurenz Pöttinger als Eifrigster, ihn zog es 16 Mal ans Rednerpult im Plenum. Er ist Energiesprecher der ÖVP, neue Energiegesetze waren eines der beherrschenden Themen des ersten Halbjahres im Nationalrat. Aus der eigenen Partei ist Pöttinger Wolfgang Gerstl mit 14 Wortmeldungen am dichtesten auf den Fersen.
Am anderen Ende der Skala stehen die eher schweigsamen Abgeordneten. Nur je zwei Mal meldeten sich die freiheitlichen Abgeordneten Reinhold Maier, Michael Oberlechner, Peter Schmiedlechner und Wolfgang Zanger zu Wort.
Seitens der Volkspartei war von Klaus Lindinger am wenigsten zu hören (drei Wortmeldungen).
Die zurückhaltendsten Roten waren im Plenum von Jänner bis Mitte Juli Antonio Della Rossa, Elisabeth Feichtinger und Robert Laimer mit je sechs Redebeiträgen.
Beim Vergleich der Klubobleute ist anzumerken, dass Ernst Gödl erst am 5. Mai die Funktion des ÖVP-Klubobmanns von August Wöginger übernahm. Davor war Gödl einfacher Abgeordneter, was Wöginger jetzt wieder ist. Im untersuchten Zeitraum trat Wöginger insgesamt sieben Mal, Gödl 13 Mal ans Rednerpult.
SPÖ-Klubchef Philip Kucher ergriff sieben Mal das Mikro im Plenarsaal, Neos-Klubobmann Yannick Shetty 14 Mal.
FPÖ-Klubchef Herbert Kickl hielt im Nationalratsplenum heuer bisher sechs Reden, Grünen-Klubobfrau Leonore Gewessler sprach sieben Mal.