Eigentlich sollte auf einem Friedhof ja Ruhe herrschen. Doch im norditalienischen Trient haben sich einige ausgesprochen lebhafte Bewohner niedergelassen. Dutzende wilde Kaninchen haben den historischen Friedhof kurzerhand zu ihrem persönlichen Schlaraffenland erklärt. Besonders beliebt auf dem Speiseplan: liebevoll gepflanzte Grabblumen und Chrysanthemen. Sehr zum Ärger der Hinterbliebenen, die teilweise schon am nächsten Tag nur noch abgeknabberte Pflanzen vorfinden.
Doch die gefräßigen Langohren hinterlassen nicht nur leere Blumenbeete. Ihre unterirdischen Gänge und Höhlen können auch Grabstätten beschädigen. Berichten zufolge sollen sich sogar Grabsteine bereits zur Seite geneigt haben.
Die Stadtverwaltung hat deshalb einen ungewöhnlichen Plan ausgeheckt: Die Kaninchen sollen eingefangen und in die Gärten von Seniorenheimen sowie auf betreute, eingezäunte Grünflächen umgesiedelt werden. Aus den unerwünschten Friedhofsbewohnern könnten somit bald tierische Nachbarn für ältere Menschen werden.
Ganz so einfach ist der tierische Wohnungswechsel allerdings nicht. Rund 30 bis 40 Kaninchen sollen unmittelbar auf dem Friedhof leben, während in der Umgebung noch mehrere Hundert weitere Tiere vermutet werden. Die Umsiedlung soll unter tierärztlicher Aufsicht erfolgen. Säugende Weibchen und noch nicht selbstständige Jungtiere dürfen nicht abtransportiert werden.
Obwohl Wildkaninchen in Italien grundsätzlich zur gesetzlich geschützten Wildfauna gehören, dürfen sie unter bestimmten Voraussetzungen bejagt werden. Für die Umsiedlung der Langohren vom Friedhof in Trient war deshalb eine behördliche Genehmigung erforderlich. Die Tiere sollen unter tierärztlicher Aufsicht eingefangen und anschließend in geeignete, eingezäunte Grünanlagen gebracht werden.
Tierschützer haben bereits gegen die Aktion protestiert. Sie befürchten, dass das Einfangen und der Transport für die scheuen Tiere erheblichen Stress bedeuten könnten. Auch die Frage, ob sich die Kaninchen in ihrer neuen Umgebung tatsächlich wohlfühlen werden, bleibt offen.
Ob die außergewöhnliche Aktion das Problem dauerhaft lösen kann, ist fraglich. Schließlich leben rund um den Friedhof noch zahlreiche weitere Kaninchen. Und die haben längst herausgefunden, wie man trotz Mauern und Zäunen an die köstlichen Grabblumen gelangt: Sie spazieren einfach durch den Haupteingang.
Für die Stadt Trient dürfte der Kampf gegen die hungrigen Langohren damit noch lange nicht ausgestanden sein.