Urlaubsparadies wird Müllhalde

Im Herbst wird es im Mittelmeer erst so richtig dreckig

Nach dem Tourismus kommt Starkregen und spült Plastik, Abwässer und Schadstoffe direkt ins Meer – mit dramatischen Folgen für seine Bewohner
19.10.2026, 19:16
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Wer im Oktober an der italienischen oder kroatischen Küste spaziert, genießt vielerorts menschenleere Strände und eine herrliche Ruhe. Endlich kann das Mittelmeer nach dem sommerlichen Touristenansturm wieder aufatmen – könnte man meinen. Doch ausgerechnet der Herbst bringt eine Gefahr mit sich, die oft unterschätzt wird: Starkregen verwandelt Straßen, Flüsse und ausgetrocknete Bachbetten in regelrechte Müllautobahnen, die direkt ins Meer führen.

Wenn der Himmel seine Schleusen öffnet

Nach den heißen, trockenen Sommermonaten können heftige Herbstgewitter besonders problematisch werden. Auf versiegelten Flächen kann das Regenwasser kaum versickern und reißt auf seinem Weg zum Meer alles mit, was achtlos weggeworfen wurde: Zigarettenstummel, Plastikverpackungen, Getränkedosen, Reifenabrieb und unzählige andere Abfälle.

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Besonders kritisch wird es, wenn überlastete Kanalisationen bei Starkregen ungeklärtes oder nur teilweise gereinigtes Abwasser in Flüsse und Küstengewässer ableiten. Auch Dünger, Pestizide und andere Schadstoffe können von landwirtschaftlichen Flächen ins Meer gelangen.

Schildkröten und Delfine zahlen den Preis besonders

Für die tierischen Bewohner des Mittelmeers können solche Schmutzfrachten schwerwiegende Folgen haben. Meeresschildkröten verwechseln treibende Plastikreste mit Nahrung oder verfangen sich in Schnüren und anderen Abfällen. Verschlucktes Plastik kann ihren Verdauungstrakt verletzen oder blockieren.

Eine aktuelle Untersuchung des spanischen Meeresforschungsinstituts ICM-CSIC, veröffentlicht am 30. September 2026, bestätigt den Zusammenhang zwischen Regenfällen und Müllablagerungen am Meeresgrund vor Katalonien.

Die Forscher untersuchten 236 Schleppnetzproben aus den Jahren 2019 bis 2024. Dabei zeigte sich, dass Regenwasser aus städtischen Gebieten maßgeblich zum Mülleintrag in die untersuchten Fischereigebiete beiträgt. Die Auswirkungen wurden teilweise erst Wochen nach den Niederschlägen sichtbar.

Auch Fische, Seevögel und Meeressäuger sind betroffen. Kleinste Kunststoffpartikel können über die Nahrung aufgenommen werden, während Schadstoffe und übermäßige Nährstoffeinträge das empfindliche Ökosystem zusätzlich belasten.

Der WWF befreit das Mittelmeer seit Jahren vor sogenannten "Geisternetzen":

Besonders problematisch: Gelangen große Mengen organischer Stoffe und Nährstoffe ins Wasser, kann dies das Algenwachstum fördern. Beim späteren Abbau der Biomasse wird Sauerstoff verbraucht – im schlimmsten Fall entstehen sauerstoffarme Zonen, in denen Fische und andere Meerestiere kaum überleben können.

Müll verschwindet nicht einfach so

Während sich aufgewirbelte Sedimente nach einem Sturm wieder absetzen und manche Krankheitserreger mit der Zeit absterben, bleibt ein großer Teil des Plastikmülls langfristig im Meer. Sonne, Wellen und mechanische Belastung zerkleinern größere Kunststoffteile nach und nach zu Mikroplastik.

Das Mittelmeer ist durch seinen begrenzten Wasseraustausch mit dem Atlantik besonders anfällig für die Anreicherung langlebiger Abfälle. Was heute durch einen überfluteten Straßengraben ins Wasser gelangt, kann die Meeresbewohner noch viele Jahre belasten.

red, 19.10.2026, 19:16