Der Iran setzt im Konflikt mit den USA offenbar auf eine neue, brisante Strategie. Mit gezielten Angriffen auf Schiffe in der Straße von Hormus will Teheran die weltweiten Ölpreise hoch halten und damit US-Präsident Donald Trump kurz vor den wichtigen Zwischenwahlen am 3. November unter Druck setzen.
Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf hochrangige iranische Insider berichtet, wurde die neue Taktik auf höchster Ebene der iranischen Führung beschlossen. Das Ziel: Die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts sollen in den USA möglichst deutlich spürbar bleiben.
Dem Bericht zufolge hat der Iran bereits vor rund zehn Tagen damit begonnen, seine Angriffe auf Handelsschiffe zu intensivieren. Im Visier stehen vor allem Schiffe, die nach Ansicht Teherans gegen die iranischen Beschränkungen in der strategisch wichtigen Meerenge verstoßen.
Der Iran versucht damit offenbar, den Schiffsverkehr noch stärker zu beeinträchtigen und die Unsicherheit auf den internationalen Energiemärkten zu erhöhen.
Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt. In Friedenszeiten werden rund 20 Prozent des weltweiten Öl- und Flüssiggashandels durch die Meerenge abgewickelt. Seit Beginn des Krieges schränkt Teheran die Durchfahrt massiv ein.
Wie gefährlich die Situation inzwischen ist, zeigen zwei neue Zwischenfälle. Die britische Schifffahrtsbehörde UKMTO meldete am Dienstagabend, dass ein Tanker und ein Containerschiff in der Straße von Hormus von unbekannten Geschoßen getroffen wurden.
Ob es Verletzte gab oder wie schwer die Schiffe beschädigt wurden, war zunächst unklar. Die Behörden untersuchen die Vorfälle.
Es handelt sich nicht um Einzelfälle. In den vergangenen Wochen wurden immer wieder Handelsschiffe in der Region angegriffen. Die zunehmende Gewalt sorgt bei Reedereien und Energieunternehmen für erhebliche Unsicherheit.
Hinter den Angriffen könnte eine klare politische Rechnung stecken. Hohe Ölpreise verteuern auch Benzin und Diesel in den USA. Das belastet Millionen Amerikaner und wird damit kurz vor den Zwischenwahlen zu einem Problem für Donald Trump.
Am 3. November wählen die Amerikaner bei den sogenannten Midterms das gesamte Repräsentantenhaus sowie rund ein Drittel des Senats neu. Für die Republikaner steht dabei viel auf dem Spiel. Bleiben die Energiepreise hoch, könnte das die Unzufriedenheit der amerikanischen Bevölkerung verstärken und damit den Republikanern bei den Wahlen schaden.
Der US-Präsident versucht bereits, die hohen Treibstoffpreise in den Griff zu bekommen. Erst am Freitag kündigte Trump ein umstrittenes Dieselabkommen mit Russland an, das zusätzliche Lieferungen auf den Weltmarkt ermöglichen soll.
Damit könnte die Straße von Hormus in den letzten Wochen vor den Midterms zu einem entscheidenden politischen Schauplatz werden. Denn selbst wenn Trump die Angriffe militärisch nicht verhindern kann, könnten ihm die wirtschaftlichen Folgen an der Wahlurne zum Verhängnis werden.