Eigentlich wollte Gerold Rudle (63) Donnerstagmorgen im Radio Niederösterreich vor allem sein Erstlingswerk als Romanautor bewerben. Mit seinen Aussagen zum Fall Gunkl schockierte er jedoch zahllose Zuhörer und sogar Veranstalter.
Es hagelte bereits erste Absagen für seine Buchtour. Rudles geplante Lesung am 22. September wurde abgesagt. "Die Döblinger Buchhandlung bietet keine Bühne für die Verharmlosung von Missbrauch", teilten die Veranstalter mit.
Nun versucht Rudle, die Wogen zu glätten. Auf Instagram veröffentlichte er dazu eine persönliche Stellungnahme. Seine Wortwahl sei "unangemessen" gewesen und habe als Relativierung verstanden werden können. "Das bedaure ich zutiefst", erklärte er über den gemeinsamen Account mit seiner Frau.
„Meine Meinung ist und war stets: Sexueller Missbrauch von Kindern ist durch nichts zu relativieren oder zu entschuldigen.“Gerold Rudle
Der Kabarettist betonte in seiner Stellungnahme, dass sexueller Missbrauch von Kindern durch nichts zu relativieren oder zu entschuldigen sei. Der Opferschutz müsse "immer im Vordergrund stehen".
Weiter schreibt der 63-Jährige: "Ich weiß, dass dies die Wirkung meiner Worte nicht ungeschehen macht. Für meine missverständlichen Aussagen übernehme ich die Verantwortung und entschuldige mich aufrichtig."
Auslöser der Empörung waren Rudles Aussagen über seinen langjährigen Kollegen Günther Paal, der als "Gunkl" bekannt ist. Wie berichtet, hatte Rudle Paal im ORF-Gespräch als "reflektierten, sehr gscheiten und liebenswerten Menschen" bezeichnet.
Zugleich hatte er zwar betont, dass dessen Taten "absolut unverzeihlich" seien, schloss daran aber den Appell, "dass wir da alle weniger verurteilen sollten".
Rudle ging danach noch weiter und meinte: "In uns allen schlummert offensichtlich irgendwo ein Monster" und ein jeder Mensch müsse "höllisch aufpassen", dieses nicht zu wecken: "Weil der Gunkl ist ein ganz liebenswerter Kollege und die vielen Fälle, die man kennt aus Marchtrenk, Gisèle Pélicot – alles eigentlich geschätzte, liebenswerte Männer. Und dann kommen solche Furchtbarkeiten zutage."
Viele Hörer reagierten fassungslos. Vor allem die wiederholte Verwendung des Wortes "liebenswert" im Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen Paal stieß auf massive Kritik.
Der Fall Gunkl selbst hatte bereits zuvor für Entsetzen gesorgt. Gegen Günther Paal liegt eine noch nicht rechtskräftige Anklage vor. Ihm werden eine geschlechtliche Handlung an einer unmündigen Person sowie das Verschaffen und der Besitz von sexualbezogenem Kindesmissbrauchsmaterial vorgeworfen. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Ins Rollen gekommen war der Fall nach einer Selbstanzeige Paals. Laut bisherigen Berichten soll er von der Mutter und der Großmutter des betroffenen Kindes erpresst worden sein. Gegen die beiden Frauen wurden ebenfalls Ermittlungen geführt; im Raum steht der Vorwurf schwerer Erpressung. In der Causa geht es laut bisherigem Stand um hohe Geldbeträge.
Paal selbst hatte sich in einem inzwischen gelöschten Video-Statement an die Öffentlichkeit gewandt. Darin sprach er von Schande und erklärte, jede Strafe "unwidersprochen hinnehmen" zu wollen. Sein Anwalt betonte laut bisherigen Angaben, Paal wolle "die volle Verantwortung übernehmen" und "nichts beschönigen".
Du oder jemand, den du kennst, benötigt Hilfe in Bezug auf psychische, körperliche oder sexuelle Gewalt?
Hier findest du sie:
Frauenhelpline (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 222 555
Männernotruf (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 246 247
Rat auf Draht: 147
Autonome Frauenhäuser: 01/ 544 08 20
Gewaltschutzzentren: +43 1 585 32 88
Weißer Ring: 0800 112 112
TelefonSeelsorge – Notruf 142 (täglich 0-24 Uhr)
Rudles Entschuldigung verschiebt den Fokus nun auf die Frage, wie öffentlich über solche Fälle gesprochen wird. In seiner Stellungnahme versucht er klarzustellen, dass seine Worte nicht als Verharmlosung gemeint gewesen seien. Gleichzeitig räumt er ein, dass genau diese Wirkung entstehen konnte.
Für den Kabarettisten bleibt die Causa damit nicht nur ein öffentlicher Eklat, sondern auch ein beruflicher Einschnitt. Die Lesung ist abgesagt, die Kritik reißt vorerst nicht ab – und sein Buchtitel "Kotzbrocken" wird nach seinem Radio-Auftritt zum Bumerang.