Ein Kraftwerk als Wellness-Oase für Haie? Was zunächst völlig absurd klingt, ist vor der israelischen Mittelmeerküste tatsächlich zu beobachten. In der Nähe der Stadt Hadera zieht das Kraftwerk Orot Rabin regelmäßig zahlreiche Haie an. Besonders in den kühleren Monaten versammeln sich dort Sandbankhaie und sogenannte Dunkle Haie. Wissenschaftler der Universität Haifa wollten endlich wissen, warum die Raubfische ausgerechnet diesen ungewöhnlichen Treffpunkt bevorzugen. Ihre neue Studie liefert jetzt spannende Antworten.
Das Geheimnis liegt möglicherweise in der Temperatur. Das Kraftwerk nutzt Meerwasser zur Kühlung seiner Anlagen und leitet es anschließend deutlich erwärmt zurück ins Mittelmeer. Dadurch entsteht eine künstliche Wärmezone, in der das Wasser stellenweise bis zu zehn Grad wärmer sein kann als in der Umgebung.
Für die wechselwarmen Haie könnte das ein entscheidender Vorteil sein. Denn ihre Körpertemperatur hängt stark von der Umgebung ab. Wärmeres Wasser kann unter anderem ihre Stoffwechselprozesse und Muskelaktivität beeinflussen.
Für die im September 2026 veröffentlichte Studie überwachten die Forscher insgesamt 58 Haie, darunter 35 Dunkle Haie und 23 Sandbankhaie. Mithilfe akustischer Sender verfolgten sie die Bewegungen der Tiere und untersuchten zusätzlich ihre Körpertemperatur.
Folgende Haie suchen laut Studien auch den Kontakt zum Menschen:
Tatsächlich zeigte sich, dass die Körpertemperatur der Haie während ihrer Aufenthalte in der Nähe des Kraftwerkes anstieg. Die Tiere blieben teilweise über längere Zeiträume in dem Gebiet und nutzten es innerhalb einer Saison wiederholt.
Die Wissenschaftler vermuten deshalb, dass die Haie gezielt wärmere Wasserbereiche aufsuchen, um ihre Körpertemperatur zu regulieren. Möglicherweise spielen auch Fortpflanzung und soziale Kontakte eine Rolle. Welche Vorteile für die Tiere tatsächlich ausschlaggebend sind, ist allerdings noch nicht abschließend geklärt.
Was für die Haie angenehm sein könnte, hat jedoch eine Schattenseite. Die Nähe zu menschlicher Infrastruktur bringt zusätzliche Risiken mit sich, etwa durch Schiffsverkehr, Fischerei und andere Störungen. Gerade im Mittelmeer, wo zahlreiche Haiarten durch Überfischung und Lebensraumveränderungen bedroht sind, könnte diese ungewöhnliche Vorliebe langfristig problematisch werden.
Die Forscher sprechen deshalb von einem möglichen ökologischen Zielkonflikt: Was einzelnen Haien kurzfristig Vorteile verschafft, muss für den langfristigen Erhalt ihrer Populationen nicht unbedingt gut sein. Die Erkenntnisse könnten außerdem helfen, besser zu verstehen, wie Haie auf steigende Meerestemperaturen infolge des Klimawandels reagieren.