Die Europäische Staatsanwaltschaft (EPPO) hat unter dem Codenamen "Operation Troja" einen der bisher größten Betrugsfälle im europäischen Online-Handel aufgedeckt. Betroffen – mehr als eine Million Menschen in Europa, die vermeintlich neue Handys gekauft haben.
Eine straff organisierte Bande steht demnach im Verdacht, seit Jahren massenhaft gebrauchte Smartphones aufgemöbelt und arglosen Konsumenten als fabrikneue Originalgeräte untergejubelt zu haben. Der Schaden für die Käufer wird auf mindestens 300 Millionen Euro beziffert, dazu kommt ein Steuerschaden von über 30 Millionen Euro.
Laut Ermittlern, die nach einem Hinweis der europäischen Antibetrugsbehörde OLAF aktiv wurden, handelt es sich um ein weltumspannendes Betrugsnetzwerks. Die Hintermänner kauften Altgeräte und gebrauchte Bauteile vor allem in Asien und im arabischen Raum auf.
In Werkstätten in Hongkong und Dubai wurden die Telefone schließlich zerlegt, aus unterschiedlichen gebrauchten Komponenten wieder zusammengebaut, blitzblank gereinigt und in täuschend echte Verpackungen samt gefälschten Werkssiegeln gesteckt.
Betroffen waren nach bisherigen Erkenntnissen vor allem gefragte Samsung-Modelle. Weil für das Puzzle fast ausschließlich originale Altteile verwendet wurden, flog die Masche optisch selbst bei genauem Hinsehen nicht auf.
Über Frachtrouten gelangte die Mogel-Ware zunächst in die Niederlande und wurde von dort in Großlager transportiert – etwa im deutschen Krefeld, wo Fahnder tausende Geräte sicherstellten. Über bekannte Verkaufsplattformen bzw. Marktplätze wie Amazon wanderten die Geräte schließlich direkt in die Wohnzimmer europäischer Verbraucher.
Um den Gewinn noch weiter in die Höhe zu treiben, soll die Gruppierung ein Geflecht aus Briefkastenfirmen in mehreren Ländern genutzt haben – darunter auch in Österreich, um Mehrwertsteuern in Millionenhöhe zu hinterziehen.
Am vergangenen Wochenende folgte der koordinierte Gegenschlag: Knapp 1.800 Polizisten, Zöllner und Steuerfahnder durchsuchten mehr als 160 Objekte in 19 Ländern. In Österreich schlug das heimische Amt für Betrugsbekämpfung zu. Insgesamt wurden sieben Hauptverdächtige in Österreich, Deutschland und Spanien verhaftet, darunter die beiden mutmaßlichen Köpfe der Handy-Mafia. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.
Für Kunden begann das böse Erwachen oft erst Monate nach dem Kauf. Da die Handys im Alltag zunächst wie echte Neugeräte funktionierten, wurden viele erst verspätet misstrauisch. Plötzlich traten rätselhafte Systemabstürze auf, die Akkus machten ungewöhnlich schnell schlapp oder wichtige Sicherheitsupdates ließen sich gar nicht erst installieren.
Gewissheit brachte für viele Betroffene erst der Kontakt zum Hersteller: Bei Garantie- oder Reparaturanfragen wurde den verdutzten Besitzern mitgeteil, dass das vermeintliche Neugerät laut interner Datenbank bereits Jahre zuvor registriert worden war.
Wer befürchtet, ein solches Fake-Smartphone erwischt zu haben, kann das Gerät überprüfen. Über die Tastenkombination *#06# im Telefon-Wahlfeld lässt sich die individuelle 15-stellige IMEI-Nummer des Handys abrufen. Mit diesem Code kann beim Samsung-Support nachgefragt werden, ob das Gerät im System bereits als vorzeitig aktiviert oder gar als Altgerät aufscheint.
Erhärtet sich der Verdacht, sollten alle Rechnungen, Versandunterlagen und Verpackungen sofort gesichert werden. Da viele Angebote auf großen Plattformen nicht von den Konzernen selbst, sondern von dubiosen Drittanbietern stammen, sollten sich Geschädigte direkt an den Plattform-Betreiber sowie die Konsumentenschützer wenden und im Zweifel Anzeige erstatten.