Das nächste Jahr wird für Oberösterreich ein richtungsweisendes. Seit 1945 ist das Land fest in schwarzer Hand. Die ÖVP war bei jeder Landtagswahl stärkste Kraft, stellte stets den Landeshauptmann. Doch das könnte sich 2027 ändern. Die Umfragen versprechen ein Kopf-an-Kopf-Rennen der Volkspartei mit den Freiheitlichen von Landeshauptmann-Stellvertreter Manfred Haimbuchner.
Mit "Heute" sprach er über den Erfolg der FPÖ, den umstrittenen Begriff der "Remigration" und auch seine Forderungen im Gesundheitsbereich, mit denen er kürzlich für Aufsehen gesorgt hatte.
"Heute": Oberösterreich wählt 2027. Bekommen wir den ersten FPÖ-Landeshauptmann im Land?
Manfred Haimbuchner: "Das werden am Ende die Wähler entscheiden. Derzeit haben wir eine ÖVP-FPÖ-Zusammenarbeit und die dauert noch mindestens ein Jahr. Das bedeutet, dass wir genau das tun, zusammen arbeiten. Dann wird gewählt."
Was würde sich unter einer FPÖ-geführten Regierung in Oberösterreich verbessern?
Haimbuchner: "Wir sind als FPÖ vor allem den Menschen verpflichtet und nicht Institutionen, wie Bünden oder Kammern. Da haben andere Mitbewerber andere Verpflichtungen."
Was muss sich im Land ändern?
Haimbuchner: "Die Steuerlast ist zu hoch, die Bürokratie zu groß, die Verwaltung zu teuer und die Migration zu viel."
„In den Überschriften wird zwar eine strenge Migrationspolitik angekündigt, schlussendlich passiert dann aber nichts.“Manfred HaimbuchnerLandeshauptmann-Stellvertreter Oberösterreich, ÖVP
Sie plakatieren "Heimat braucht Haltung". Was meinen Sie damit?
Haimbuchner: "Um die erwähnten Probleme zu lösen, braucht man nicht Überschriften, sondern eben Haltung. Auch wenn es einmal Gegenwind gibt, muss man das aushalten und sich treu bleiben. Für mich ist das tägliches Geschäft."
Zur Person:
Manfred Haimbuchner (48) wurde Politik in die Wiege gelegt: Sein Vater war Langzeitbürgermeister von Steinhaus. Bei der dortigen Ortsgruppe startete Haimbuchner 2000 auch seine Polit-Karriere. Die krönte der studierte Jurist – vorläufig? – mit dem Posten als Landeshauptmann-Stellvertreter. Haimbuchner ist Mitglied in mehreren Burschenschaften. Seit 2016 ist er mit seiner Frau Annette verheiratet. Die beiden haben zwei Kinder: Otto (8) und Annette (4).
Macht Österreich im Bereich der Migration genug? Sagen Sie auch: "Es braucht Remigration"?
Haimbuchner: "Die momentane Bundesregierung gefällt sich in der Rolle der Showpolitik. In den Überschriften wird zwar eine strenge Migrationspolitik angekündigt, schlussendlich passiert dann aber nichts."
Sie haben zuletzt einen Vorstoß im Gesundheitsbereich gemacht: Spitalsambulanzen sollen zu vorgelagerten Wahlarzt-Ordinationen werden. Was würde sich dadurch verbessern?
Haimbuchner: "Zuerst, die Kosten übernimmt das Land, der Patient zahlt nichts drauf. Die Leistungen im Krankenhaus sind teurer als beim Hausarzt. Leider kommen aber viele Menschen mit Beschwerden ins Krankenhaus, die ein Hausarzt behandeln könnte. Da setzen wir an und bringen den Hausarzt dorthin, wo viele Patienten hingehen, eben ins Spital. Das senkt die Kosten und nimmt die Krankenkassen in die Pflicht. Stellt der Arzt fest, dass es notwendig ist, wird der Patient auf der Station weiter behandelt."