Fotos zeigen Tierquälerei

Skandal-Schweinestall: Mitarbeiter fristlos gekündigt

Mitarbeiter sollen die Tiere vor laufender Kamera gequält haben. Der Großbetrieb im Bezirk Hollabrunn erhielt jahrelang Zuschüsse in Millionenhöhe.
Victoria Carina  Frühwirth
21.11.2025, 07:54
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Wie "Heute" berichtete, veröffentlicht der Verein gegen Tierfabriken (VGT) Videomaterial, das nach eigenen Angaben im AMA-zertifizierten Schweinebetrieb des Guts Hardegg im Bezirk Hollabrunn entstand. Die Aufnahmen stammen aus dem Zeitraum September bis Oktober. Darauf zu sehen sind Mitarbeiter des Guts Hardegg in Groß Kadolz (Bezirk Hollabrunn), die Tiere schlagen und auf den Boden werfen, mit Elektroschockern quälen und sogar auf die Schweine urinieren!

Betriebschef stritt Vorwürfe lange ab

Aufgrund dieser publizierten Videoaufnahmen erstattete die Bezirkshauptmannschaft Hollabrunn Anzeige gegen die betroffenen Arbeiter. Der Betrieb selbst meldete in den vergangenen Tagen: Eine unangemeldete Kontrolle habe erst vor wenigen Wochen stattgefunden – ohne Beanstandungen. Lautstark bezweifelte der Inhaber in den vergangenen Tagen, dass die veröffentlichten Aufnahmen tatsächlich aus seinem Betrieb stammen würden. Heute, am Donnerstagnachmittag, hat den Betreiber scheinbar die Einsicht überkommen. Auf Social Media zeigt er sich nun kleinlaut.

Social-Media-Video mit halbem Eingeständnis

"Ich bin schockiert über die gezeigten Bilder, verärgert und natürlich auch persönlich sehr betroffen", erzählt der Betriebsinhaber Maximilian Hardegg heute Donnerstag auf Instagram und Facebook.

Weiter sagt der Gutsbesitzer: "Wir haben aber sofort reagiert: Wir haben gestern (Mittwoch, der 19. November, Anm.) die im Verdacht stehenden Mitarbeiter suspendiert, und heute Früh fristlos entlassen." Und weiter: "Wir werden jetzt alles daran setzen, dass Tierwohl auf Gut Hardegg zu 100 Prozent umgesetzt wird."

Noch am Dienstag stritt er jegliche Vorwürfe in der ZiB ab – zufällig in dem exakt selben Outfit wie am Donnerstag: "Ich kann gar nicht sagen, ob die Aufnahmen von den Tieren überhaupt von uns sind. Ich weiß nur, dass (...) wenn ein Mensch im Stall uriniert oder ein Tier geschlagen wird, das überhaupt nicht unseren Standards entspricht." Schon am Dienstag wurde bekannt, dass der VGT die Tiere aufgrund ihrer Ohrenmarken dem Betrieb eindeutig zuordnen konnte.

Strafrechtliche Prüfungen

Wie die Bezirkshauptmannschaft Hollabrunn bestätigte, wurde die Prüfung des Betriebs am Mittwochabend abgeschlossen. Am Donnerstag wurden die Ergebnisse bewertet, nun werden "verschiedene Maßnahmen ausgearbeitet, die dem Betrieb behördlich vorgeschrieben werden", heißt es seitens der Behörde.

Mittlerweile bereitet die Bezirkshauptmannschaft Hollabrunn Anzeigen gegen jene Mitarbeitenden vor, die in den veröffentlichten Videos erkennbar sind. Die Staatsanwaltschaft Korneuburg wird mit dem Fall befasst.

AMA-Gütesiegel und Fördermittel im Visier

Besonders brisant: Der Stall war AMA-zertifiziert, hat jedes Jahr fast eine Million Euro an Förderungen erhalten. Jetzt prüft die AMA, ob das Gütesiegel aberkannt wird. Auch politisch wächst der Druck: FPÖ-Landesrätin Susanne Rosenkranz sprach von einem "unfassbaren Skandal". Die Grünen orten ein "Systemversagen" im Kontrollwesen, sie fordern strengere und unabhängige Tierwohlkontrollen.

Noch offen ist, warum bei den Kontrollen vor wenigen Wochen nichts auffiel und wie es trotz Zertifizierung zu solchen Zuständen gekommen sein könnte.

{title && {title} } VF, {title && {title} } Akt. 21.11.2025, 10:41, 21.11.2025, 07:54
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