Immer weniger Zivildiener

"Spielraum wird kleiner" – Ministerin spricht Klartext

Die Zahl der Zivildiener sinkt, gleichzeitig steigt der Bedarf an Unterstützung. Die zuständige Ministerin Claudia Bauer warnt: "Der Druck nimmt zu."
Nicolas Kubrak
10.04.2026, 12:52
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Zivildiener sind eine tragende Säule unserer Gesellschaft. Wenn in Österreich ein Rettungswagen ausrückt, im Pflegeheim oder Kindergarten Unterstützung gebraucht wird oder ein Mensch im Alltag auf Hilfe angewiesen ist, dann ist sehr oft ein "Zivi" zur Stelle. Die Funktionsfähigkeit des Zivildienstes entscheidet darüber, ob Hilfe kommt – oder ob sie fehlt.

"Spielraum wird kleiner"

Aktuelle Zahlen für das erste Quartal 2026 zeigen: Das Interesse am Zivildienst ist hoch, gleichzeitig steigt der Druck auf das System. Hintergrund sind geburtenschwache Jahrgänge und ein stetig wachsender Bedarf im Sozial- und Pflegebereich.

"Wir haben im Zivildienst noch kein System, das kippt, aber der Druck nimmt zu – und dieser Druck kommt nicht von ungefähr. Wir haben heute deutlich weniger junge Männer als noch vor einigen Jahren, gleichzeitig wird unsere Gesellschaft älter – und der Bedarf an Hilfe steigt. Wir sehen ganz klar: Der Spielraum wird kleiner", so Zivildienstministerin Claudia Bauer.

Ab 2040 fehlen 4.400 Zivildiener pro Jahr

Bauer plädiert in dem Zusammenhang für eine Verlängerung des Zivildienstes auf 12 Monate, wenn die Wehrpflicht verlängert wird. "2040 werden die zuletzt geborenen Jahrgänge wehrpflichtig sein. Bei ähnlichem Verhältnis zwischen Wehr- und Zivildienst werden uns ab 2040 jährlich 4.000 Zivildiener fehlen", warnt die Ministerin.

Die Zivildienstzahlen im 1. Quartal 2026 im Überblick:

  • Gemeldeter Bedarf der Einrichtungen: 3.144 (6,4 % weniger als Q1/2025; für Q2/2026 ist bereits mehr Bedarf gemeldet
  • Zuweisungen: 2.792 (8,2 % weniger als in Q1/2025)
  • Zivildiensterklärungen: 4.986 (um 500 bzw. +11,2% mehr als im 1. Quartal 2025)
  • Bedarfsabdeckung: 88,8 % (1,8% niedriger als in Q1/2025)
  • Zivildiensteinrichtungen: rund 1.500 mit rund 3.000 untergeordneten Einsatzstellen (konstant)
  • 11.962 Zivildiener aktuell im Dienst (Stand 1. April 2026)

Ein genauerer Blick auf die Zahlen zeigt: Immer mehr junge Männer entscheiden sich für den Zivildienst und sind bereit, Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig ist die Zahl der Zuweisungen im Vergleich zum ersten Quartal 2025 um 8,2 % zurückgegangen. In Wien fällt der Rückgang mit minus 16,3 % besonders deutlich aus. Auffällig ist außerdem, dass es in der Bundeshauptstadt – entgegen dem bundesweiten Trend – sogar weniger Zivildiensterklärungen gab.

Die Bedarfsabdeckung in den Bundesländern im Vergleich:

  • Die höchste Bedarfsdeckung gibt es in Oberösterreich mit 92,8 %, in Niederösterreich mit 92,4 % und in Vorarlberg mit 92 %.
  • Gefolgt von Wien mit 91 %, Tirol mit 90,3 % und der Steiermark mit 87 %. Danach Salzburg mit knapp 80 % Bedarfsdeckung.
  • Die niedrigste Bedarfsdeckung verzeichnen wir im Burgenland mit 72,3 % und in Kärnten mit 63,7 % im ersten Quartal.

Zivildienstministerin Bauer abschließend: "Es geht darum, ob wir in Zukunft genügend helfende Hände für die Profis im Pflege- und Sozialbereich haben, wer die fehlenden Kameraden beim Rettungsdienst und bei der Feuerwehr sein sollen, wer in Kindergarten, Altenbetreuung und Behindertenhilfe Spielkamerad, Zuhörer oder Geschichtenerzähler sein wird“.

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