Ein Sager von FPÖ-Klubobmann-Stellvertreterin Susanne Fürst über US-Präsident Donald Trump sorgt für heftigen Widerspruch bei den Neos. In der ORF-III-Sendung "zur SACHE" gerieten Fürst und Neos-Generalsekretär Douglas Hoyos über den Ukraine-Krieg und Europas Verhältnis zu Russland aneinander.
In der ersten Ausgabe nach der Sommerpause diskutierten am Mittwoch neben Fürst und Hoyos auch Militärexperte Gustav Gressel von der Landesverteidigungsakademie Wien und Russland-Experte Wolfgang Mueller von der Universität Wien.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Europa auf Russland reagieren soll und wie groß die Gefahr einer weiteren Eskalation ist.
Fürst kritisiert den bisherigen Umgang Europas mit dem Krieg: "Es ist nicht unser Krieg. Wir haben aber vom ersten Tag an es leider zu unserem Krieg gemacht. Die EU hat sich eingemischt und hat mehrmals verhindert, dass es zu einer Lösung bei den Friedensverhandlungen kommt. Man setzt sich nicht gemeinsam mit den USA hin, sondern blockiert eine friedliche Lösung."
Hoyos widersprach dem deutlich und stellt klar, dass Kreml-Chef Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump die Kriegstreiber sind: "Wir sind mittendrin im hybriden Krieg, aber nicht, weil wir uns das ausgesucht haben, sondern weil wir angegriffen werden."
Die Kickl-Vize kritisiert zudem die Ukraine-Hilfen und fordert einen anderen Umgang mit dem Krieg. Ihrer Ansicht nach wäre die größte Unterstützung für die Ukraine, dabei zu helfen, die Kampfhandlungen zu beenden und Frieden zu erreichen. Europa habe diese Möglichkeit bislang ausgeschlagen. "Russland verschwindet ja nicht einfach und die EU hat keinen Beitrag dazu geleistet, den Konflikt zu entschärfen."
Hoyos kontert daraufhin, dass alle einen Frieden erreichen wollen, "aber der Weg der FPÖ ist die bedingungslose Kapitulation der Ukraine."
Für besonderen Wirbel sorgte schließlich eine Aussage Fürsts über die Rolle von Trump. Sie sprach davon, dass der US-Präsident Europa eine Möglichkeit zur weiteren Zusammenarbeit mit Russland "erlaubt" hätte.
"Donald Trump hätte uns eine einmalige Möglichkeit geboten, die die Europäer ausgeschlagen haben. Nämlich er hätte erlaubt, dass Europa - die EU - hier weiter mit Russland kooperiert und dass man hier gemeinsam mit den USA zu einer friedlichen Lösung kommt - zwischen Russland und die (sic!) Ukraine. Donald Trump hätte uns die Möglichkeit gegeben, dass Europa und Russland wieder zu einer vernünftigen Nachbarschaft finden."
Der Neos-Generalsekretär reagierte darauf mit scharfer Kritik. Für ihn zeige die Aussage, dass sich die FPÖ außenpolitisch von anderen Staaten abhängig mache.
"In der Welt der FPÖ muss Donald Trump offenbar erlauben, was Österreich oder Europa machen oder mit wem sie reden. Ein Kanzler Kickl wäre somit nichts anderes ein enorm gut bezahlter Erfüllungsgehilfe von Trump und Putin - zum Nachteil Österreichs, zum Nachteil Europas."
Auch Militärexperte Gustav Gressel widersprach der Darstellung Fürsts, Trump habe Europa diese Möglichkeit eröffnet. Trump habe eine solche Chance nicht angeboten, erklärte er und bezeichnete die Darstellung als "reine Erfindung."
Hoyos forderte unterdessen ein eigenständiges Europa und warnt vor einer Spaltung der Bevölkerung: "Österreich ist und bleibt nur in einem starken, selbstbewussten Europa sicher, das unabhängig ist von den USA, Russland oder China. Dazu reicht es aber eben nicht, wenn man, wie die FPÖ, im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine immer nur Diplomatie einfordert, aber in Wahrheit Unterwerfung meint."
Und weiter: "Dazu braucht man ein Außenpolitik-Verständnis, wie es Beate Meinl-Reisinger hat und lebt - und sich im Gegensatz zur FPÖ tatsächlich um Frieden bemüht und Verbündete beider Seiten zu Gesprächen trifft, statt sich von irgendwelchen ausländischen Machthabern diktieren zu lassen, was Österreich zu tun hat."