Deutliche Worte aus der österreichischen Wirtschaft! Manner-Chef Dieter Messner (56) geht mit der Politik hart ins Gericht. Der Chef des traditionsreichen Wiener Süßwarenherstellers warnt davor, dass immer mehr Unternehmen ihre Produktion ins Ausland verlagern könnten. Schuld seien aus seiner Sicht gravierende Fehler bei den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Im Interview mit der "Kleinen Zeitung" findet Messner für den Umgang der Politik mit heimischen Betrieben eine besonders scharfe Bezeichnung: "Das ist Chaospolitik."
Der Manager sorgt sich um die Zukunft des Industriestandorts Österreich. Und er ist überzeugt, dass die Probleme weit über die Süßwarenbranche hinausreichen.
Als warnendes Beispiel nennt Messner den Tiefkühlproduzenten Ardo, der seinen Rückzug aus Österreich angekündigt hat. "Wenn weiter standortpolitisch gravierende Fehler gemacht werden, erleben wir auch weitere Abwanderung", warnt der Manner-Chef.
Seine Kritik richtet sich vor allem gegen eine Politik, die seiner Ansicht nach erst reagiert, wenn Betriebe bereits in Schwierigkeiten geraten sind. Im Fall Ardo sei rasch über staatliche Hilfen gesprochen worden. Messner hält diesen Zugang für falsch.
Statt mit Steuergeld einzelne Probleme zu bekämpfen, müsse die Politik rechtzeitig für wettbewerbsfähige Bedingungen sorgen. "Ich bin voller Sorge, denn ich kenne viele Leute aus anderen Branchen, die sagen: Der Anreiz, mit der Produktion ins Ausland zu gehen, ist extrem groß."
Für Manner selbst stellt Messner allerdings klar, dass ein Abzug aus Österreich nicht geplant ist. "Wir sind verwurzelt und wollen gar nicht morgen woanders hin", sagt der Manager. Das Unternehmen produziert weiterhin in Wien und Wolkersdorf. Rund 60 Prozent der Süßwaren gehen in den Export.
Doch andere Betriebe könnten ihre Standorte deutlich schneller überdenken. Messner sieht deshalb die Gefahr, dass Österreich auf längere Sicht industrielle Arbeitsplätze verliert, wenn Investitionen nicht attraktiver werden.
Wie schwierig selbst notwendige Modernisierungen sein können, zeigt laut Messner die Energieversorgung am Wiener Produktionsstandort. Dort betreibt Manner seine Waffelöfen überwiegend noch mit Gas. Erst heuer wurde ein erster elektrisch betriebener Induktionsofen in Betrieb genommen.
Langfristig würde Messner gerne sämtliche Öfen auf Strom umstellen. Er rechnet damit, dass Elektrizität auf Dauer günstiger sein wird als Gas. Doch die Umstellung scheitere vorerst an der Infrastruktur. "Die Wiener Netze können uns den notwendigen Netzanschluss am Standort nicht bieten", kritisiert der Manner-Chef.
Auch bei der Verpackung sieht Messner neue finanzielle Belastungen auf sein Unternehmen zukommen. Die bekannte Manner-Verpackung besteht derzeit aus einem Aluminium-Papier-Verbund. Aufgrund europäischer Recyclingvorgaben muss sie bis 2030 ausreichend recyclingfähig sein.
Grundsätzlich unterstütze er dieses Ziel, erklärt Messner. Allerdings sei für Unternehmen noch nicht ausreichend klar, nach welchen konkreten Kriterien die Recyclingfähigkeit letztlich bewertet werde. Dabei müsse Manner neue Verpackungsmaschinen anschaffen – eine Investition, für die der Konzern Planungssicherheit brauche.
Besonders ärgert sich Messner über die seiner Ansicht nach praxisferne Umsetzung der Regeln. "Das ist keine gute Standortpolitik", urteilt er.
Auch in der österreichischen Debatte über hohe Lebensmittelpreise sieht der Manner-Chef Widersprüche. "Die Politik wünscht sich den günstigsten Preis mitten im Hochkostenland Österreich. Das ist unrealistisch", sagt Messner.
Er verweist unter anderem auf das besonders dichte Filialnetz des heimischen Handels. Dieses verursache zusätzliche Kosten, die sich auch auf die Preise auswirkten. Aus seiner Sicht müsse die Politik deshalb stärker darauf achten, dass die Unternehmen überhaupt im Land bleiben.
Eine schnelle Lösung sieht der Manner-Chef nicht. Denn die Politik stehe vor einem Dilemma. Höhere Reallöhne würden den Konsum stärken, gleichzeitig aber die Arbeitskosten der Betriebe erhöhen.
Niedrigere Lohnabschlüsse könnten Unternehmen entlasten, jedoch die Kaufkraft der Bevölkerung schwächen. "Egal, was man tut, in den nächsten zwei, drei Jahren, es wird falsch sein", sagt Messner. Entscheidend seien deshalb zusätzliche Anreize für Investitionen.
Messners Botschaft an die Politik ist eindeutig: Österreich müsse für Unternehmen wieder attraktiver werden – bevor sich noch mehr Betriebe für einen Produktionsstandort im Ausland entscheiden.