Streit um Fluggastrechte

Weniger Geld bei Verspätung? Airlines machen Druck

Die EU verhandelt über Entschädigungen bei Flugverspätungen. Die Branche fordert Kürzungen, das EU-Parlament will die Passagierrechte erhalten.
Newsdesk Heute
07.06.2026, 14:36
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Flugreisende in Europa könnten auch künftig bei längeren Verspätungen Anspruch auf Entschädigungen haben. Ein entsprechender Vorschlag des EU-Parlaments stößt jedoch auf heftigen Widerstand der Luftfahrtbranche.

Im Zentrum der Debatte steht eine EU-Verordnung aus dem Jahr 2004. Sie sieht derzeit Ausgleichszahlungen von bis zu 600 Euro vor, wenn Flüge mehr als drei Stunden verspätet sind. Über eine Reform der Regeln wird derzeit in Brüssel verhandelt.

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Kritik von Luftfahrtverband

Die Mitgliedstaaten hatten sich bereits im Juni 2025 mehrheitlich für geringere Entschädigungen ausgesprochen. Das Europäische Parlament lehnte diese Pläne jedoch Anfang 2026 mit großer Mehrheit ab und sprach sich stattdessen dafür aus, "die Rechte der Fahrgäste zu stärken". Damit müssen Parlament und Mitgliedstaaten nun einen Kompromiss finden.

Kritik kommt vom internationalen Luftfahrtverband IATA. Der Verband hält die bestehenden Regelungen für zu teuer und fordert Änderungen. Auf der Generalversammlung der Organisation in Rio de Janeiro machte IATA-Vizepräsident Rafael Schvartzman seinem Ärger Luft.

Die bestehende Regelung "kostet die Fluggesellschaften bereits acht Milliarden Euro" pro Jahr, erklärte er. Zudem werde die Luftfahrtbranche wie ein politischer Punchingball behandelt.

Die IATA bezeichnet die europäische Entschädigungsregelung als "umgekehrten Robin Hood". Nach Ansicht des Verbands müssten 99 Prozent der Passagiere an EU-Flughäfen höhere Kosten tragen, um jenes ein Prozent zu entschädigen, das tatsächlich von größeren Verspätungen betroffen sei.

Laut den Fluggesellschaften führen die aktuellen Bestimmungen außerdem dazu, dass Verbindungen vorsorglich gestrichen werden. Die Unternehmen befürchten, dass sich Verspätungen im Tagesverlauf auf weitere Flüge desselben Flugzeugs ausweiten und dadurch zusätzliche Entschädigungsansprüche entstehen könnten.

Neuer Entwurf

Wie die französische Wirtschaftszeitung "Les Echos" berichtet, liegt inzwischen ein neuer Kompromissentwurf auf dem Tisch. Dieser soll auf Initiative der Europäischen Kommission ausgearbeitet worden sein.

Demnach würde die bisherige Dreistundengrenze für Entschädigungszahlungen bestehen bleiben. Gleichzeitig sollen die Entschädigungsformulare künftig jedoch nicht mehr automatisch vorausgefüllt sein. Über den Vorschlag soll nun abgestimmt werden.

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