70 Euro! Bei diesem Preis müssen wohl selbst eingefleischte Schnitzel-Fans erst einmal schlucken. Der Wiener Klassiker zum so stolzen Preis – das sorgte sogar in deutschen Medien für Schlagzeilen. "Heute" wollte wissen, was um das viele Geld beim Wiener "Praterwirt" in der Leopoldstadt wirklich auf dem Teller landet – und testete die Tomahawk-Variante der österreichischen Nationalspeise am Wochenende.
"Eigentlich ist das gar nicht teuer, eher zu billig", rechnet Praterwirt Mile Palikukovski (45) beim "Heute"-Besuch vor und serviert die Geschichte zum Gericht gleich mit. "Unser Fleischer hat uns vor Kurzem das Kalbs-Kotelette im Ganzen angeboten, da haben wir uns gedacht – probieren wirs", erzählt der Gastronom.
Streng genommen handelt es sich bei der goldbraun panierten Luxus-Speise, die für zwei Personen gedacht ist, um eine "Cotoletta alla milanese" – also den italienischen Vorgänger des Wiener Klassikers. Und schon vor der Zubereitung wurde klar: Mit einem gewöhnlichen Schnitzel hat dieser Fleisch-Koloss nur wenig gemein.
Stolze 560 Gramm brachte das Kotelett samt Knochen auf die Waage. "Das ist mehr als doppelt so viel wie bei einem normalen Schnitzel", weiß auch Küchenchef Daniel Steinthal (40), der für "Heute" Schnitzelklopfer und Pfanne schwang. Serviert wurde der panierte Riese –scherzhaft auch als Fabios-Schnitzel getauft – mit g'schmackigen Trüffel-Pommes und Zitronen-Spalte. "Heute"-Reporterin Jana Stanek machte angesichts des gewaltigen Ausmaßes zunächst große Augen. Zum Glück war auf den hungrigen Kollegen Verlass.
Nach den obligatorischen Beweisfotos folgte der erste Bissen. Und der zeigte: Das gute Stück ist nicht nur Hingucker, sondern schmeckt auch herrlich – für Figurbetonte ist es allerdings eher nichts. Außen knusprig und innen zart überzeugt vor allem die fein-buttrige und mit Meersalz bestreute Panier. Nur die Flachsen sind ungewohnt, da Schnitzel sonst meist aus magereren Stücken zubereitet wird.
Der stolze Preis von 70 Euro bleibt natürlich eine Ansage – aber wenn man nicht nur den Fleischberg, sondern auch die Rechnung teilt, macht das "nur" 35 Euro pro Person. Für ein derart üppiges Kalbsschnitzel ist das heutzutage zumindest kein völlig astronomischer Betrag mehr. "Wir verkaufen auch Leberkäs-Semmerln um 5 und Käsespatzen um 10 Euro" versteht der Wirtshaus-Chef die Aufregung nicht ganz. "Schließlich haben wir auch Steaks, die deutlich teurer sind." Die Schlagzeilen nimmt er dennoch mit einem Schmunzeln in Kauf – und lädt uns kurzerhand aufs "Schnitzerl" ein.