Das neue Sofa muss warten, die Winterjacke vielleicht auch. Aber beim Hund, bei der Schönheit und bei Tätowierungen sitzt das Geld in Österreich weiter locker. Das zeigt die neue Studie "Der große Wandel – So shoppt Österreich 2026" von Handelsverband und RegioPlan Consulting.
Auffällig ist der Boom rund ums Tier. Die Ausgaben für Haustierbedarf sind demnach im Zehnjahresabstand – von 2015 auf 2025 – um satte +159 Prozent gestiegen. Heißt: Während viele beim klassischen Einkauf jeden Euro zweimal umdrehen, gehen für Futter, Zubehör und alles rund um Hund, Katz & Co. bereits 166 Euro pro Kopf drauf – nach 64 Euro 2015.
Ein noch größerer Knaller sind Tattoos. Hier sind die Ausgaben innerhalb der vergangenen zehn Jahre sogar um unglaubliche +167 Prozent in die Höhe geschossenhnalzt. Unterm Strich wurden 2025 in Österreich pro Kopf 24 Euro (2015: 9 Euro) für ein Peckerl ausgegeben.
Auch beim Thema Schönheit wird nicht geknausert. Allein 2025 flossen 61 Euro pro Person in Schönheitseingriffe, +144 Prozent bzw. 36 Euro mehr als noch 2015.
Innerhalb des vergangenen Jahrzehnts haben zudem die Ausgaben für Gastronomie (2.142 Euro pro Kopf 2025, +100 Prozent), Sportgeräte (322 Euro, +94 Prozent) und Urlaube (1.108 Euro, +91 Prozent) zugelegt. Ebenfalls deutlich mehr haben die Österreicher in Nahrungsergänzungsmittel und Gesundheitspflege (46 Euro, +64 Prozent) gesteckt.
Absoluter Wachstumskaiser ist die Gaming-Branche. Für sogenannte In-Game-Käufe machte Österreich im Vorjahr pro Kopf 62 Euro locker, ein Plus von +675 Prozent seit 2015.
Dabei nicht mithalten konnten die klassischen Handelskategorien wie Möbel (316 Euro, –5 Prozent), Elektronik (557 Euro, +3 Prozent), Bücher (63 Euro, +9 Prozent) und Bekleidung (1.036 Euro, +13 Prozent) – insbesondere unter Berücksichtigung der Inflationsrate, die sich im Beobachtungszeitraum auf gut 40 Prozent summierte.
"Wir erleben einen fundamentalen gesellschaftlichen Wandel vom Haben zum Sein", so Romina Jenei, CEO von RegioPlan Consulting. Die Konsumenten würden mehr in ihre Gesundheit, in das eigene Wohlbefinden und in Haustiere investieren. "Heimische Händler müssen ihre Konzepte an diesen Trend anpassen, wollen sie langfristig relevant bleiben", so Jenei.
Aufschlussreich ist laut Studienautoren dabei ein Blick auf die wichtigsten Konsumtrends. Vor allem der anhaltende Longevity-Boom – also die Bemühung, möglichst lange und gesund zu leben – treibe die Ausgaben für Gesundheit und Biohacking-Tools wie Smartringe und Fitness-Armbänder in die Höhe. Auch der Alkoholfrei-Trend fällt in diese Kategorie.
"Immer mehr Menschen wollen aktiv in ihre Lebensqualität investieren und treffen bewusstere Kaufentscheidungen", erklärt Rainer Will, Geschäftsführer des unabhängigen Handelsverbands, die Entwicklung zusammen.
Bereits auch im Handel bemerkbar machen sich GLP-1-Medikamente, also Abnehm- bzw. Fettweg-Spritzen. Große internationale Einzelhändler würden laut Studie bereits eine veränderte Nachfrage feststellen – weg von kalorienreichen Lebensmitteln, Snacks und zuckerhaltigen Produkten, hin zu gesünderen, besonders proteinreichen Produkten.
Auch im Modehandel sei der GLP-1-Effekt angekommen, zumindest in den USA. Dort würden schon deutlich weniger XXL- und XL-Größen verkauft.