Zwei Menschen, gleich alt – und trotzdem könnten ihre Leben kaum unterschiedlicher sein. Während der eine kaum mehr die Stiegen schafft, wirkt der andere fit, aktiv und voller Energie. Zufall? Keineswegs. Genau hier beginnt das Thema "Longevity" – und die Erkenntnis, dass nicht die Jahre zählen, sondern wie gesund wir sie erleben. Ein Wiener Experte bringt es dabei auf den Punkt.
Lange Zeit galt Altern als etwas, das einfach passiert. Jahr für Jahr, unaufhaltsam, mit klaren Konsequenzen für Körper und Geist. Jetzt gerät dieses Bild ins Wanken: "Wie ist es sonst möglich, dass zwei Pensionisten desselben Alters so unterschiedlich sein können?", meint Longevity-Experte Igor Kazal im "Heute"-Interview. "Während einer Probleme mit dem Gehen hat, schafft ein anderer noch Triathlons und reist mit voller Lebensfreude um die Welt."
Der Unterschied liegt im sogenannten biologischen Alter – also darin, wie "alt" unser Körper auf Zellebene tatsächlich ist. Und dieses Alter lässt sich beeinflussen.
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis der modernen Forschung: Unsere Gene bestimmen längst nicht alles. "Studien zeigen, dass unsere gesunde Lebensspanne weniger als 50 Prozent von unserer Genetik abhängt", erklärt Kazal.
Das bedeutet: Mehr als die Hälfte unseres gesundheitlichen Verlaufs liegt in unserem eigenen Einflussbereich. Wie wir leben, wie wir essen, wie wir schlafen – all das entscheidet darüber, wie wir altern.
Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Jahre anzuhäufen. Entscheidend ist, wie diese Jahre aussehen. Forschungen zeigen, dass ein gesunder Lebensstil die Chance auf mehrere zusätzliche, gute Lebensjahre deutlich erhöhen kann: "Longevity sollte nicht einfach nur als Trend betrachtet werden, sondern als eine der wichtigsten Investitionen, die wir in unser zukünftiges Leben machen können", so Kazal.
Wer sich mit dem Thema beschäftigt, stößt schnell auf radikale Routinen: Eisbad am Morgen, stundenlanges Fasten, minutiös geplante Tagesabläufe. Doch genau hier liegt ein verbreiteter Irrtum: "Man muss keinesfalls sein Leben so überaus komplex gestalten", betont der Wiener Experte gegenüber "Heute".
Die wirksamsten Strategien seien überraschend einfach – und vor allem alltagstauglich: Bewegung, ausreichend Schlaf, soziale Beziehungen, ausgewogene Ernährung und gezielte Ergänzungen.
Ein Teil der Szene setzt auf Biohacking – also die gezielte Optimierung des Körpers durch Daten, Tracking und Selbstexperimente. Das kann helfen, den eigenen Körper besser zu verstehen. Doch es birgt auch eine Gefahr: den ständigen Druck, sich verbessern zu müssen.
"Das ständige Verlangen nach Überoptimierung und Selbstverbesserung könnte dazu führen, sich unter Stress zu setzen", warnt Kazal. Und genau dieser kann die positiven Effekte wieder zunichtemachen.
Am Ende zeigt sich: Es sind keine extremen Maßnahmen, die den Unterschied machen, sondern die Summe kleiner Entscheidungen.