Ob man sein Leben allein oder zu zweit verbringt, gilt meist als reine Herzensentscheidung. Doch diese könnte weit mehr beeinflussen als gedacht – nämlich auch die eigene Gesundheit. Während Krebs als eine der komplexesten Krankheiten überhaupt gilt, bei der Gene, Umwelt und Lebensstil zusammenspielen, rückt nun ein überraschender Faktor stärker in den Fokus: der Beziehungsstatus.
Eine neue US-Studie zeigt, dass Menschen, die nie verheiratet waren, ein höheres Risiko haben, an Krebs zu erkranken. Dabei betonen die Forschenden ausdrücklich: Es geht nicht darum, dass man heiraten muss, um gesund zu bleiben. "Die wichtigste Erkenntnis ist nicht, dass Menschen heiraten müssen, um Krebs vorzubeugen", betont Studienautor Paulo Pinheiro gegenüber "Self".
Vielmehr zeige die Untersuchung, dass bestimmte Schutzfaktoren bei Verheirateten häufiger auftreten.
Für die Studie wurden über acht Jahre hinweg Gesundheits- und Krebsdaten aus zwölf US-Bundesstaaten analysiert – insgesamt mehr als vier Millionen Krebsfälle in einer Bevölkerung von über 100 Millionen Menschen. Das Ergebnis: Menschen, die nie verheiratet waren, hatten ein deutlich höheres Risiko, an Krebs zu erkranken als jene, die verheiratet sind oder waren.
Bei bestimmten Krebsarten war der Unterschied besonders deutlich. So lag die Rate von Gebärmutterhalskrebs bei Frauen ohne Ehe fast dreimal so hoch.
Doch warum dieser Zusammenhang? Die Antwort liegt offenbar weniger in der Ehe selbst, sondern im Lebensstil: "Studien zeigen, dass unverheiratete Menschen häufiger ungesunde Verhaltensweisen haben, die das Krebsrisiko erhöhen – etwa Rauchen, Alkoholkonsum oder eine schlechtere Ernährung", erklärt Gesundheitsexpertin Lorna McNeill im "Self"-Interview.
Auch soziale Faktoren spielen eine Rolle: Menschen ohne feste Partnerschaft erleben häufiger Isolation – ein Faktor, der laut Studien ebenfalls mit einem erhöhten Krebsrisiko in Verbindung steht.
Ein weiterer Punkt – Prävention: "Verheiratete Menschen nehmen häufiger Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch", sagt Mediziner Ketan Thanki. Besonders Männer würden etwa deutlich öfter zur Darmspiegelung gehen, wenn sie in einer Beziehung leben. Der Grund: Ein Partner erinnert, motiviert und unterstützt im Alltag.
Trotz der klaren Zahlen warnen Experten vor falschen Schlüssen: "Die Ehe steht eher für ein bestimmtes Lebensmuster", erläutert Onkologin Namrata Vijayvergia gegenüber dem US-Magazin. "Menschen, die heiraten, achten oft stärker auf ihre Gesundheit."
"Der Beziehungsstatus ist eher ein Hinweis auf verschiedene Lebensumstände", betont Pinheiro. Auch stabile Partnerschaften ohne Trauschein oder ein starkes soziales Umfeld können ähnliche positive Effekte haben. "Soziale Unterstützung – durch Partner, Familie oder Freunde – beeinflusst Gesundheitsverhalten und Vorsorge", so der Forscher schließlich.