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Warum du 30 Sekunden an einer Blume riechen solltest

Riechen passiert meist nebenbei – doch genau dieser Sinn hat eine besondere Kraft: Er wirkt direkter auf unsere Emotionen als jeder andere.
Heute Life
09.04.2026, 07:06
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Ein kurzer Moment im Vorbeigehen, ein flüchtiger Duft – und schon ist er wieder vergessen. Dabei kann genau dieser Augenblick mehr bewirken, als viele vermuten. Wer sich bewusst Zeit nimmt, innehält und für einige Sekunden an etwas riecht, setzt im Körper Prozesse in Gang, die messbar entspannen und die Stimmung heben.

Unterschätzter Sinn

Im Alltag wird der Geruchssinn oft übergangen. Wir sehen, hören, reagieren – doch das bewusste Riechen gerät in den Hintergrund. Dabei ist es einer der direktesten Zugänge zu unseren Emotionen.

"Bewusst an etwas zu riechen, ist fast wie ein kleiner Akt des Protests", erklärt die Designerin und Geruchsforscherin Kate McLean-MacKenzie gegenüber "Time". Man entscheidet sich aktiv dafür, nicht nur zu schauen, sondern sich wirklich darauf einzulassen.

Was im Körper passiert

Bereits nach etwa 30 Sekunden gezielten Einatmens lassen sich Veränderungen beobachten: Der Herzschlag verlangsamt sich, das Nervensystem schaltet in einen ruhigeren Zustand, die Atmung wird tiefer.

Der Grund dafür liegt in der besonderen Verarbeitung von Gerüchen im Gehirn: "Gerüche haben einen direkteren Einfluss auf unsere Emotionen als jeder andere Sinn", erläutert Pamela Dalton, Psychologin, im "Time"-Interview. Während andere Sinneseindrücke zunächst gefiltert werden, gelangen Duftreize unmittelbar in das limbische System – jener Bereich, der für Gefühle und Erinnerungen zuständig ist.

Düfte wecken Erinnerungen

Ob Parfum, Essen oder Naturgeruch – Düfte sind eng mit persönlichen Erfahrungen verknüpft. "Wenn ein Geruch mit einer Erinnerung verbunden ist, bringt er nicht nur das Bild zurück, sondern auch das Gefühl", so Dalton.

Schlüssel zur Entspannung

Gerüche beeinflussen zudem unsere Atmung: Angenehme Düfte führen automatisch dazu, dass wir tiefer einatmen. Diese vertiefte Atmung aktiviert den sogenannten parasympathischen Teil des Nervensystems – also den Zustand von Ruhe und Regeneration. Umgekehrt bewirken unangenehme Gerüche das Gegenteil: Die Atmung wird flacher, der Körper reagiert mit Distanz.

Wie ein Duft wahrgenommen wird, ist individuell verschieden. Biologische Faktoren, persönliche Erfahrungen und kulturelle Prägungen spielen dabei eine Rolle. Was für den einen beruhigend ist, kann für den anderen unangenehm sein. Deshalb gibt es keinen universellen "Wohlfühlduft": Entscheidend ist, welche Gerüche für den Einzelnen positiv besetzt sind.

Bewusst wahrnehmen

Der entscheidende Faktor ist die Dauer und Intensität der Wahrnehmung. Ein kurzer Atemzug im Vorbeigehen hat kaum Effekt: Erst das bewusste, ruhige Einatmen über mehrere Sekunden entfaltet die volle Wirkung.

"Nimm dir mindestens 30 Sekunden Zeit, um wirklich bewusst einzuatmen", empfiehlt McLean-MacKenzie. "Es ist nicht viel Zeit – aber mehr, als sich die meisten dafür nehmen."

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