Liebe auf Distanz

Paare trennen sich im Flugzeug – DAS sind die Gründe

Gemeinsam reisen, aber getrennt sitzen? Immer mehr Paare entscheiden sich im Flieger bewusst für Abstand. Warum das kein schlechtes Zeichen sein muss.
Heute Life
07.04.2026, 15:52
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Der Urlaub beginnt, die Vorfreude ist groß – doch kaum sitzt man im Flugzeug, wird es eng. Sehr eng. Schulter an Schulter, kaum Bewegungsfreiheit, der Ellbogen des Nachbarn im Dauereinsatz. Für viele Paare wird aus der romantischen Vorstellung vom gemeinsamen Reisen schnell eine Geduldsprobe. Und immer öfter fällt deshalb eine überraschende Entscheidung: Man setzt sich bewusst auseinander.

Komfort statt Kompromiss

Was für Außenstehende seltsam wirkt, hat oft ganz praktische Gründe. Der Reisejournalist Ash Jurberg verzichtet auf Langstreckenflügen komplett darauf, neben seiner Frau zu sitzen. Beide bevorzugen Gangplätze – und nehmen dafür lieber Abstand in Kauf, als sich über Stunden auf einem unbequemen Mittelsitz zu quälen.

"Wir mögen beide Gangplätze. Anstatt dass einer von uns auf einem Mittelsitz leidet, sitzen wir jetzt einfach nicht mehr zusammen", so Jurberg. Und er betont: "Wir sind nicht das einzige Paar, das das macht."

Warum andere das nicht verstehen

Doch nicht jeder reagiert entspannt auf diese Praxis: Immer wieder kommt es zu irritierten Blicken oder Nachfragen von Mitreisenden, die das Verhalten nicht nachvollziehen können.

Psychotherapeutin Tawanne Woodfolk erklärt gegenüber "Huffpost" dieses Phänomen so: "Wir sind darauf geprägt, sichtbare Nähe mit Beziehungsqualität gleichzusetzen. Nebeneinander zu sitzen wird zum Zeichen für 'Bei uns ist alles gut'." Wer nicht nebeneinandersitzt, wirkt schnell so, als würde etwas nicht stimmen. Dabei hat die Sitzwahl meist wenig mit Gefühlen zu tun, sondern schlicht mit Bequemlichkeit.

Nähe entsteht nicht durch Sitzplätze

Im Gegenteil: Experten sehen in der bewussten Entscheidung für Abstand sogar Vorteile. Therapeut Dan Auerbach betont, dass echte Verbindung nicht durch physische Nähe entsteht, sondern durch bewusste Interaktion.

Ein kurzer Besuch während des Flugs, ein gemeinsamer Snack, ein Lachen über denselben Film – all das kann verbindender sein als stundenlanges Nebeneinandersitzen aus Gewohnheit. Nähe wird dadurch aktiver gestaltet, statt einfach vorausgesetzt zu werden.

Neben Komfort spielt auch ein ganz praktischer Faktor eine Rolle: Geld. Sitzplatzreservierungen kosten oft extra – und nicht jedes Paar ist bereit, dafür zusätzlich zu zahlen.

Manche nehmen bewusst getrennte Plätze in Kauf, um Gebühren zu sparen – und entdecken dabei, dass ihnen die ungewohnte Freiheit sogar gefällt. Ein bisschen Zeit für sich selbst, mitten auf einer gemeinsamen Reise.

Wann Abstand zum Problem wird

So entspannt das Konzept für viele klingt, sehen manche Experten auch kritische Aspekte. Psychotherapeutin Stacy Pelletieri warnt: "Man hat die Sitzreihe ja dann nicht für sich alleine, sondern sitzt neben völlig Fremden. Wenn du eine fremde Person deinem Partner vorziehst, nur weil du Abstand brauchst, deutet das darauf hin, dass du diesen Raum nur beanspruchen kannst, wenn du physisch von ihm oder ihr getrennt bist."

In stabilen Beziehungen, so ihre Einschätzung, sei es durchaus möglich, nebeneinander zu sitzen und trotzdem persönliche Grenzen zu wahren. Nähe und Rückzug schließen sich nicht aus – sie müssen nur kommuniziert werden.

{title && {title} } red, {title && {title} } 07.04.2026, 15:52
Weitere Storys
Jetzt E-Paper lesen