Du stehst kurz vor dem Urlaub, der Koffer ist gepackt und dann stolperst du im Netz über einen vermeintlich genialen Reise-Tipp: Wickle deinen Reisepass in Alufolie, damit niemand heimlich deine Daten auslesen kann. Klingt zunächst plausibel – schließlich steckt in modernen Pässen tatsächlich ein Funkchip. Aber lauert zwischen Flughafen und Hotel wirklich die Gefahr, dass Kriminelle im Vorbeigehen deine Passdaten klauen?
Moderne elektronische Reisepässe besitzen einen sogenannten RFID-Chip. RFID steht für "Radio Frequency Identification", also die Identifikation über Funk. Auf dem Chip befinden sich unter anderem das Passfoto und persönliche Daten. Dadurch kann das Dokument beispielsweise bei Grenzkontrollen kontaktlos geprüft werden. Die Vorstellung dahinter: Wenn Funk funktioniert, müsste jemand mit dem richtigen Gerät doch auch heimlich auf den Chip zugreifen können. Ganz so einfach ist es allerdings nicht.
Grundsätzlich könne ein elektronischer Reisepass mit einem geeigneten Lesegerät über seine kontaktlose Schnittstelle angesprochen werden, erklärt Simon Erny vom Schweizer Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) gegenüber "20 Minuten". Dafür müsse sich das Gerät jedoch in unmittelbarer Nähe zum Dokument befinden.
Vor allem aber schützen mehrere Sicherheitsmechanismen die gespeicherten Informationen. Ein Lesegerät benötigt bestimmte Angaben von der Datenseite des Reisepasses, bevor es auf den Chip zugreifen kann.
Den Chip macht eine Lage Alufolie zwar nicht einfach kaputt. Besonders sinnvoll ist die Bastellösung trotzdem nicht. Spätestens bei der Passkontrolle musst du das Dokument jedes Mal aus seiner silbernen Verpackung holen. Die Folie kann außerdem im Gepäck zerknittern und am Pass reiben. Damit setzt du ein wichtiges Reisedokument unnötiger Belastung aus.
Wird der Pass beziehungsweise dessen Chip beschädigt, kann das spätestens bei Kontrollen zum Problem werden. Aus einem vermeintlichen Sicherheits-Trick wird dann womöglich erst recht Reisestress.
Wer trotzdem auf Nummer sicher gehen will, kann laut Erny besser zu einer speziellen RFID-Schutzhülle greifen. "Diese kann die Funkkommunikation mit dem Chip verhindern und ist unterwegs deutlich praktischer als Alufolie."
Außerdem rät das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit davon ab, Fotos vom eigenen Reisepass online zu stellen: "Die darauf sichtbaren Angaben könnten ein unbefugtes Auslesen des Chips erleichtern."