Erschütterung im SOS-Kinderdorf. Mehr als einen Monat nach Bekanntwerden erster Vorwürfe weiten sich die Fälle weiter aus. Die jüngsten Enthüllungen aus Oberösterreich zeichnen ein noch düstereres Bild und lassen viele sprachlos zurück.
"Wann hört dieser Wahnsinn endlich auf? Wie kann es sein, dass immer mehr längst bekannte Missbrauchsfälle rund um SOS Kinderdorf erst Jahre später ans Licht kommen?", fragt Barbara Neßler, Kinder- und Jugendsprecherin der Grünen. "Für mich ist unverständlich, wie Frau Klasnic (ehem. steirische Landeshauptfrau; Anm. d. Red.) so oberflächlich handeln konnte. Politiker:innen sollten nicht in solchen Aufklärungspositionen sitzen. Dafür braucht es echte Expert:innen", so Neßler.
Die Grüne betont, dass es Institutionen gebe, die "hervorragende Arbeit" in Sachen Qualitätskontrolle und Aufklärung leisten würden – sie nennt dabei explizit die Volksanwaltschaft. Doch auch sie sei von Budgetkürzungen betroffen.
Neßler weiter: "Die Volksanwaltschaft muss deutlich besser mit finanziellen Mitteln ausgestattet werden. Nur so kann sie öfter Besuche in Einrichtungen durchführen und das Vertrauen der Kinder gewinnen. Einer völlig fremden Person, so gut ihre Intentionen auch sein mögen, wird sich kein Kind anvertrauen. Vor allem nicht, wenn dieses Vertrauen zuvor immer wieder enttäuscht wurde."
Weiters fordern die Grünen die Einrichtung einer niederschwelligen Whistleblower-Plattform direkt bei der Volksanwaltschaft. Diese wäre staatlich verankert, unabhängig in ihrer Funktion und anonym nutzbar. So könnten Menschen aus Einrichtungen oder dem Umfeld der Kinder- und Jugendhilfe Missstände melden, ohne Repressionen oder Ausgrenzung befürchten zu müssen.
"Nur so kann sichergestellt werden, dass Schutzlücken im Bereich Kinder- und Jugendhilfe konsequent erkannt, aufgearbeitet und geschlossen werden. Vertrauen entsteht nicht durch gute Absichten allein, sondern durch klare Strukturen, ausreichende Ressourcen und echte Möglichkeiten zur Kontrolle und Meldung von Missständen“, so Neßler abschließend.