Die Erotikdarstellerin erlebt vor der Cam immer wieder junge Männer, die sich hinter dem Bildschirm verstecken. Im Interview mit BestFans Insider erklärt sie, warum ein Korb keine Niederlage ist – und weshalb Pornos keine Anleitung für Sex sind. Viele junge Männer verbringen ihre Zeit vor dem Bildschirm und verlieren dabei den Bezug zu echten Begegnungen. Das beobachtet Bettina Habig (44), besser bekannt als Texas Patti, im Kontakt mit ihren Fans.
Die gebürtige Münsterin ist seit vielen Jahren in der Erotikbranche aktiv und wurde zuletzt durch die RTL ZWEI Dokureihe "Texas Patti – Mein Leben am Höhepunkt" einem breiten TV-Publikum bekannt. Gerade schüchternen Männern rät sie, die digitale Komfortzone zu verlassen: "Rausgehen! Weg vom Bildschirm!" Im Interview mit dem BestFans Insider erklärt sie, warum sich viele junge Männer online sicherer fühlen als im echten Leben, wie man die Angst vor einem Korb überwindet – und warum Pornos kein Vorbild für guten Sex sind.
Rausgehen! Weg vom Bildschirm! Viele junge Männer leben komplett isoliert. Sie sitzen zu Hause, konsumieren Content und verlieren den Bezug zu echten Begegnungen. Manchmal sind Jungs vor meiner Cam, bei denen ich denke: Alter, du bist attraktiv, nett, intelligent. Warum versteckst du dich hier? Ich sage ihnen dann ganz ehrlich: Ich bin nicht dein echtes Leben. Du wirst mich nicht heiraten. Also geh raus. Lernt Menschen kennen. Such dir Freunde. Geh ins Gym. Geh irgendwo hin, wo echte Gespräche stattfinden. Und tatsächlich haben mir manche später geschrieben, dass sie genau das gemacht haben.
Ich glaube, viele junge Männer haben Schwierigkeiten damit, einer realen Person und vor allem realen Reaktionen gegenüberzustehen. Die jüngere Generation ist damit aufgewachsen, Erstkontakte hauptsächlich über das Internet herzustellen. Online ist es relativ einfach: Wenn eine Situation unangenehm, peinlich oder überfordernd wird, reicht ein Klick und man kann die Unterhaltung beenden oder einfach verschwinden. Im echten Leben funktioniert das nicht. Da steht tatsächlich ein Mensch vor einem und man muss mit der Situation umgehen – egal, ob sie angenehm, unangenehm oder einfach ungewohnt ist. Ich glaube, dass viele junge Menschen diesen direkten sozialen Kontakt ein Stück weit verlernt haben und sich deshalb unsicher fühlen. Genau diese Unsicherheit macht es vielen schwer, Frauen im realen Leben anzusprechen.
Mein Lieblingsspruch ist: "Angst frisst Seelen auf." Irgendwann muss man versuchen, seine Angst zu überwinden. Und selbst wenn man einmal nicht so gut landet, sollte man eine Absage nicht als Niederlage sehen, sondern als Ermunterung, es weiter zu versuchen. Man muss ja auch nicht direkt mit der Tür ins Haus fallen. Wenn man extrem schüchtern ist, kann man zunächst Blickkontakt aufnehmen, lächeln oder einfach eine kleine Verbindung herstellen. Es müssen nicht immer sofort die großen Worte sein. Grundsätzlich finde ich: Was soll schon passieren? Man fragt – und die Frau sagt entweder ja oder nein. Wenn sie nein sagt, hat man nichts verloren, denn das, was man sich vielleicht erhofft hat, hätte ohne den Versuch ohnehin nie stattgefunden. Man sollte sich nicht sein ganzes Leben mit "Was wäre gewesen, wenn …?" beschäftigen. Verpasste Chancen kann man irgendwann bereuen. Und eines bekommen wir im Leben definitiv nicht zurück: Zeit. Deshalb sollte man den Mut haben, Chancen zu nutzen.
Das ist ehrlich gesagt eine schwierige Frage, weil ich schon sehr lange aus der Dating-Welt raus bin – das ist also eher ein Bauchgefühl als eine fundierte Einschätzung. Mein Eindruck ist, dass es teilweise einen Widerspruch gibt: Männer wünschen sich eine selbstständige und selbstbewusste Frau – aber bitte nicht zu selbstständig und nicht zu selbstbewusst. Sie soll für sich selbst sorgen können, aber gleichzeitig soll der Mann das Gefühl haben, gebraucht zu werden. Ich glaube, das ist ein ziemlich generationsübergreifendes Thema, auch wenn sich die Vorstellungen von Beziehungen natürlich stark verändert haben.
Ja, absolut. Pornografie und erotischer Content können die Erwartungshaltung an Sexualität und an den Körper eines anderen Menschen beeinflussen. Aber das ist keine Problematik, die ausschließlich die Porno- oder Erotikbranche betrifft. Das gleiche Prinzip findet man in der Beauty-Industrie, im Sport, in den sozialen Medien und eigentlich überall dort, wo uns bestimmte Idealbilder ständig präsentiert werden. Und es funktioniert in beide Richtungen. Nicht nur Männer können dadurch unrealistische Erwartungen an Frauen entwickeln – auch Frauen können unrealistische Erwartungen an Männer entwickeln. Ich bekomme zum Beispiel sehr häufig die Frage gestellt: "Glaubst du, mein Penis ist groß genug?" Daran sieht man, wie stark auch Männer durch das beeinflusst werden, was sie konsumieren. Für mich ist die entscheidende Frage deshalb nicht, ob Pornografie eine Illusion vermittelt – das tut sie –, sondern wie klar wir darüber kommunizieren. Es muss viel deutlicher vermittelt werden, dass Pornografie eine inszenierte Form von Unterhaltung und keine realistische Anleitung für Sex, Körper oder Beziehungen ist.
Na klar, vor allem von Analsex und Oralverkehr. Besonders diese sehr direkten, intensiven Praktiken sind das, worauf Männer mich immer wieder ansprechen. Ich glaube, das liegt an der Kameraperspektive im Film. Sie vermittelt das Gefühl, selbst mit mir im Bett zu liegen. Das verstärkt die Fantasie ungemein. Und dann beobachte ich noch etwas: Die Jüngeren wollen mich als heiße Fantasie erleben. Die Älteren hätten mich am liebsten direkt als Frau zu Hause. (lacht)
Ich finde das sehr süß. Viele Frauen fühlen sich angegriffen, wenn Männer schreiben: "Ich würde alles dafür tun, einmal Sex mit dir zu haben." Aber ganz ehrlich? Was soll mir ein Mann denn sonst schreiben? Ich lebe meine Sexualität öffentlich aus. Natürlich verbinden die Menschen genau das mit mir. Wenn ich Starköchin wäre, würden die Menschen ja auch mit mir kochen wollen. Viele Männer können ihre Sehnsüchte nicht zu Hause ausleben. Manche Beziehungen funktionieren irgendwann nur noch wie eine WG. Es gibt keine Kommunikation mehr, keine erotische Spannung. Dann sehen sie Texas Patti, eine Frau in High Heels, komplett hemmungslos. Das facht das Kopfkino an. Aber natürlich ist das nicht mein Alltag. Die echte Texas Patti, also Bettina, sitzt während dieses Interviews hier mit Jogginghose, Decke und T-Shirt. Das vergessen viele Männer, aber das ist okay.
Ich halte mich bei solchen Zahlen eigentlich immer ziemlich bedeckt und kann mich auch nicht mehr zu hundert Prozent daran erinnern. Aber ich habe eine Zahl im Kopf, die mich, glaube ich, nicht täuscht: Es waren ungefähr 250 Euro. Damals war das überhaupt nicht mein Beruf. Ich hatte einen ganz normalen Job und habe diesen Amateurdreh gemeinsam mit Patrick aus Neugier und vor allem aus Spaß gemacht. Wir haben etwas ausprobiert, eine Erinnerung in Form einer DVD bekommen – und wurden als Sahnehäubchen sogar noch dafür bezahlt. Heute ist die Situation eine völlig andere, weil die Arbeit inzwischen mein Hauptberuf ist. Ich mache sie nach wie vor mit Spaß und Leidenschaft, aber mit meiner langjährigen Erfahrung und Professionalität würde ich natürlich keinen Dreh mehr für 250 Euro annehmen.
Das vollständige Interview erscheint im Print-Magazin BestFans Insider.