Die größte Regierung aller Zeiten reist auch gerne. Zuletzt war etwa bekannt geworden, dass das Ressort von Vizekanzler und SPÖ-Chef Andreas Babler in nur drei Monaten mehr als 50.000 Euro Reisekosten verursacht hatte. Die Folge: eine Welle der Empörung.
Jetzt könnte Bundeskanzler und ÖVP-Chef Christian Stocker ähnliches Ungemach drohen. Der Grund: sein USA-Trip zum Fußball-WM-Match Österreich gegen Argentinien. Die FPÖ nimmt diesen zum Anlass für eine parlamentarische Anfrage. Titel: "Steuergeldfinanzierter VIP-Trip nach Dallas: Die wahren Kosten der Kanzler-Reise zum WM-Spiel gegen Argentinien."
Die Freiheitlichen nehmen Stocker den offiziellen Grund der Reise nicht ab. Als solcher angegeben wurden "Wirtschaftsgespräche" in den Bereichen Biotechnologie, Pharma, Energie und Quantentechnologie sowie die Eröffnung eines Honorarkonsulats in Dallas.
"Zufälligerweise fiel diese Reise exakt mit dem WM-Spiel des österreichischen Nationalteams gegen Argentinien zusammen, welchem der Kanzler ebenfalls beiwohnte", schreibt der FPÖ-Nationalratsabgeordnete Markus Leinfellner in der Anfrage. "Es drängt sich der Verdacht auf, dass die Wirtschaftsgespräche und die Konsulatseröffnung primär als Vorwand dienten, um einen aus Steuermitteln finanzierten Fußballausflug zu rechtfertigen."
Daher hätten die Steuerzahler ein Recht auf lückenlose Transparenz hinsichtlich dieser Reise, so der freiheitliche Mandatar. Diese Transparenz will er mit 22 detaillierten Fragen herstellen.
Neben der Dauer der Reise muss Stocker unter anderem auch beantworten, ob der Flug in der Business- oder Economy-Class absolviert wurde und wie hoch die Flugkosten für den Kanzler persönlich "im Detail" waren.
Die Freiheitlichen interessieren aber auch sämtliche Informationen zu den Unterkünften. Zumindest so viel wurde bereits vor der Anfrage beantwortet: Genächtigt wurde im noblen "W Hotel" in Dallas. Ein Zimmer kostet dort zwischen 460 und 860 Euro pro Nacht. Die FPÖ will aber auch wissen, ob der Bundeskanzler Zusatzleistungen wie Wellness, Massagen oder Fitnesscenter in Anspruch genommen hat.
Zudem muss Stocker "sämtliche Restaurant- und Verpflegungskosten während der gesamten Reise" darlegen inklusive der jeweiligen Speisen.
Großes Thema war bereits die Größe der Kanzlerdelegation. Immerhin wurde er von gleich zehn (!) Mitarbeitern begleitet. Hier wollen die Blauen wissen, welche Funktion diese bekleiden und welche dienstlichen Aufgaben sie im Rahmen der Reise hatten.
Die spannendste Frage ist aber sicher Nummer 15: "Wie hoch waren die Gesamtkosten der gesamten Reise nach Dallas (inklusive Bundeskanzler, Delegation, Flüge, Unterkunft, Verpflegung, Zusatzkosten, Transfers, Eintrittsgelder, Sonstiges)?"
Interessant dürfte auch werden, wie Stocker den Zeitpunkt der Reise erklärt, während zeitgleich in Österreich Kürzungen bei den Pensionen und Familien vorgenommen werden. In sich hat es auch die letzte Frage: "Wie vereinbaren Sie als Mitglied einer Regierung, die sich den 'Klimaschutz' auf die Fahnen geheftet hat, einen Transatlantikflug mit einer Delegation für den Besuch eines 90-minütigen Fußballspiels mit den von Ihnen propagierten Klimazielen?"
Übrigens: Der Bundeskanzler hat dem Nationalteam nicht einmal Glück gebracht. Österreich hat das Spiel gegen Messi & Co. mit 0:2 verloren …