Australien war das erste Land weltweit, das soziale Netzwerke für Kinder unter 16 Jahren per Gesetz einschränkte. Eine erste Untersuchung zeigt nun jedoch, dass die Maßnahme das Nutzungsverhalten der Jugendlichen bislang kaum verändert hat.
Die Studie wurde von Forschern aus Australien durchgeführt und am Donnerstag im renommierten "British Medical Journal" veröffentlicht.
"Wir haben keine hinreichenden Belege dafür gefunden, dass das Gesetz bereits nennenswerte Auswirkungen auf die Nutzung sozialer Medien bei Jugendlichen unter 16 Jahren hatte", heißt es in der Untersuchung.
Nach Angaben der Forscher umgehen viele Minderjährige die gesetzlichen Vorgaben. Dafür legen sie unter anderem Fake-Accounts an oder nutzen Konten, die auf ältere Personen registriert sind.
Für die Studie wurden zunächst mehr als 400 junge Nutzer von sozialen Netzwerken kurz vor Inkrafttreten des Gesetzes befragt. Drei Monate später wurden dieselben Jugendlichen erneut zu ihrem Nutzungsverhalten interviewt.
Bei den 12- bis 13-Jährigen stellten die Wissenschaftler kaum Veränderungen fest. In der Altersgruppe der 14- bis 15-Jährigen ging die Nutzung sozialer Netzwerke leicht zurück, während sie bei Jugendlichen ab 16 Jahren sogar zunahm.
Australien hatte das Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige im Dezember des vergangenen Jahres eingeführt und damit international eine Vorreiterrolle eingenommen. Inzwischen haben mehrere weitere Staaten ähnliche Regelungen beschlossen.
Auch in Deutschland wird über strengere Vorgaben diskutiert. Eine vom Familienministerium eingesetzte Expertenkommission präsentierte am Mittwoch ihre Empfehlungen zum Kinder- und Jugendschutz im digitalen Raum.
Das Gremium spricht sich allerdings gegen ein generelles Social-Media-Verbot aus. Stattdessen empfehlen die Experten entweder eine Mindestaltersgrenze von 13 Jahren oder gezielte Einschränkungen für einzelne Plattformen.