Die Debatte um ein Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige bekommt neuen Rückenwind. Eine aktuelle Eurobarometer-Umfrage der EU-Kommission zeigt: Viele Eltern in Österreich sehen die Online-Nutzung ihrer Kinder zunehmend kritisch. Für Österreich wurden 500 Eltern von Kindern und Jugendlichen zwischen 13 und 18 Jahren befragt, EU-weit waren es 12.750 Eltern.
Dabei sagt jeder zweite befragte Elternteil in Österreich, das eigene Kind verbringe zu viel Zeit vor Bildschirmen. Damit liegt Österreich über dem EU-Schnitt von 44 Prozent. Auch bei sozialen Medien ist die Sorge groß: 44 Prozent der Eltern hierzulande halten die Nutzungsdauer ihres Kindes für zu hoch, EU-weit sind es 39 Prozent.
Besonders deutlich fällt die Antwort auf die Frage aus, was Jugendliche im Netz besser schützen könnte. 53 Prozent der Eltern in Österreich nennen zusätzliche Altersgrenzen oder Einschränkungen als wirksamste Maßnahmen für die psychische Gesundheit junger Menschen. Dahinter folgen mehr Bildung in Schulen und eine bessere Durchsetzung bestehender Regeln durch Plattformen mit jeweils 43 Prozent.
Die Bundesregierung hatte Ende März ein verpflichtendes Mindestalter von 14 Jahren für Plattformen wie Instagram, TikTok oder Snapchat angekündigt. Ein entsprechender Gesetzesentwurf soll bis zum Sommer vorliegen.
Europa- und Jugendministerin Claudia Bauer (ÖVP) sieht diesen Kurs der Regierung durch die Umfrage bestätigt. "Die Zahlen zeigen sehr klar: Viele Eltern wünschen sich mehr Schutz für ihre Kinder", erklärt Bauer. "Und sie haben recht. Kinder kommen heute viel zu früh mit Inhalten in Kontakt, mit denen sie noch nicht umgehen können. Deshalb braucht es eine Altersgrenze für Social Media", so die Ministerin zu "Heute".
„Wer zu jung ist, darf nicht hineinkommen – dafür braucht es einen digitalen Türsteher.“Claudia BauerJugendministerin (ÖVP)
Ein Verbot allein reiche aber nicht, betont die Ministerin. Es brauche auch mehr Medienbildung und Unterstützung für Eltern und Schulen. "Aber solange Plattformen ihrer Verantwortung nicht nachkommen, müssen wir handeln und Kinder besser schützen."
Besonders kritisch fällt der Blick auf die psychische Gesundheit aus. 44 Prozent der österreichischen Eltern sehen einen negativen Einfluss sozialer Medien auf das Wohlbefinden ihres Kindes. Nur 19 Prozent bewerten ihn positiv.
Wie konkret die Risiken sind, zeigen die Erfahrungen der Familien: 38 Prozent der österreichischen Eltern berichten, dass ihr Kind in den vergangenen drei Monaten mit schwer erkennbaren KI-Inhalten konfrontiert war. Das sind fünf Prozentpunkte mehr als im EU-Schnitt. 32 Prozent nennen falsche oder irreführende Informationen, 27 Prozent berichten von Druck auf Jugendliche, wie sie aussehen oder was sie kaufen sollen.
Die Umfrage zeigt zugleich, dass Eltern den Plattformen wenig zutrauen: Nur 32 Prozent der österreichischen Befragten finden, dass soziale Netzwerke genug zum Schutz junger Menschen tun. 65 Prozent sagen, dass es zu wenig ist.
"Eltern können nicht jedes Video sehen und nicht jeden Klick kontrollieren. Die Verantwortung liegt deshalb nicht nur bei den Familien. Auch die Plattformen müssen dafür sorgen, dass Kinder dort sicher unterwegs sind. Wer zu jung ist, darf nicht hineinkommen – dafür braucht es einen digitalen Türsteher", so Bauer.