Kopftuchverbot

"Kein harmloses Stück Stoff" – Ministerin platzt Kragen

Die Debatte um das Kinderkopftuchverbot ab Herbst spitzt sich zu. VP-Ministerin Bauer rückt gegen Position der Islamischen Glaubensgemeinschaft aus.
Angela Sellner
16.06.2026, 19:46
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Die Wogen um das Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren in der Schule ab 1. September 2026 gehen weiter hoch. Die Debatte hat nun eine neue Dimension erreicht, indem fünf muslimische Mädchen im Alter von neun bis zwölf Jahren vor den Verfassungsgerichtshof ziehen, weil sie sich in ihren Grundrechten beeinträchtigt sehen – sie wollen ihr Kopftuch auch nach Inkrafttreten des Verbots im Klassenzimmer tragen dürfen – "Heute" hat berichtet.

Rückendeckung hat die Position der Mädchen bei der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ). Die Religionsgemeinschaft hatte sich bereits vor einigen Wochen im Rahmen des Dialogforums "DIAF'26" ausführlich gegen das Verbot positioniert und sieht darin einen Eingriff in die Religionsfreiheit muslimischer Schülerinnen.

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Kritik an Gesetz

"Kein Mädchen darf in der Schule unter Druck gesetzt werden – weder dazu, ein Kopftuch zu tragen, noch dazu, es abzulegen", heißt es in dem Papier.

Die Organisation beruft sich dabei auf ein von ihr beauftragtes Rechtsgutachten. Demnach greife die Regelung gezielt eine bestimmte Religionsgemeinschaft heraus und verstoße damit gegen das Gebot staatlicher Neutralität.

Kopftuch für Achtjährige

Im Mittelpunkt der Diskussion müssten die betroffenen Mädchen selbst stehen. Die IGGÖ betont deshalb: "Muslimische Frauen sind keine Objekte eines politischen Diskurses. Sie sind selbstbestimmte Trägerinnen ihrer eigenen Glaubenspraxis."

In einem Bescheid der IGGÖ aus dem Jahr 2019 wurde das Tragen des Kopftuchs indes als religiöse Verpflichtung beschrieben – und zwar für Mädchen ab einem Alter von acht Jahren.

Ministerin platzt der Kragen

Integrationsministerin Claudia Bauer (ÖVP) platzt jetzt der Kragen: "Anstatt Kinder für Klagen zu instrumentalisieren, erwarte ich mir ein eindeutiges Bekenntnis, dass 8-jährige Mädchen nicht unter ein Kopftuch gehören", sagt sie gegenüber "Heute".

„Das Kopftuch ist kein harmloses Stück Stoff, sondern ein Zeichen der Unterdrückung und ein Mittel der Kontrolle von Mädchen ab dem frühesten Kindesalter.“
Claudia BauerIntegrationsministerin (ÖVP)

"Psychologinnen und Psychologen haben eine sehr eindeutige Meinung, dass es die Entwicklung von Mädchen stört, wenn sie sich mit acht Jahren bedecken müssen", erklärt Bauer: "Ein 8-jähriges Mädchen gehört nicht unter einem Stück Stoff versteckt, ein 8-jähriges Mädchen muss einfach Kind sein dürfen.“

"Selbstbestimmt aufwachsen"

Hinsichtlich des Schriftstücks der IGGÖ aus 2019 betont die Ministerin: "Ich kann nur hoffen, dass es sich bei diesem Schreiben um ein veraltetes Dokument handelt. Hier wird in einem Satz gesagt, dass es freiwillig sei und im nächsten Satz wird festgehalten, dass die einzig wahre religiöse Instanz das Kopftuch für Mädchen ab acht Jahren vorschreibt. Das ist ganz klar Kopftuchzwang für Mädchen ab acht Jahren durch die Hintertür."

"Das Kopftuch ist kein harmloses Stück Stoff, sondern ein Zeichen der Unterdrückung und ein Mittel der Kontrolle von Mädchen ab dem frühesten Kindesalter. Ich will, dass Mädchen selbstbestimmt und sichtbar aufwachsen können", so Bauer weiter. Genau deshalb habe man sich für ein Kinderkopftuchverbot entschieden.

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