Tierisches Übel

Selbst schuld! Die nächste Pandemie entsteht genau hier

Kein Wildtier per se ist schuld an einer gefährlichen Virenlast - nur unser Umgang in diversen "Handelsketten" begünstigt tödliche Krankheiten.
Heute Tierisch
30.06.2026, 08:39
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Vor allem mit der Corona-Pandemie ist deutlich geworden, dass neue Krankheitserreger oft nicht in Krankenhäusern entstehen, sondern dort, wo Menschen eng mit Wildtieren in Kontakt kommen – etwa in Wäldern, auf Tiermärkten oder entlang internationaler Lieferketten für lebende Tiere.

Genau davor warnt die International Alliance against Health Risks in Wildlife Trade in ihrem Anfang Juni 2026 veröffentlichten Weißbuch "Live Wildlife Trade and Markets". Die zentrale Aussage: Der weltweite Handel mit lebenden Wildtieren schafft ideale Voraussetzungen dafür, dass Krankheitserreger vom Tier auf den Menschen überspringen.

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Prävention wäre wesentlich billiger als neue Pandemie

Südostasien zählt seit Jahren zu den wichtigsten Drehscheiben des Wildtierhandels. Auch der bekannte Chatuchak-Markt in Bangkok wird in internationalen Untersuchungen immer wieder als Beispiel für die damit verbundenen Gesundheitsrisiken genannt. Das Weißbuch fasst aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zusammen und zeigt auf, weshalb Prävention deutlich kostengünstiger wäre als die Bewältigung einer weiteren Pandemie.

Nach Angaben der Autoren stammen rund drei Viertel aller neu auftretenden Infektionskrankheiten beim Menschen ursprünglich aus dem Tierreich. Diese sogenannten Zoonosen umfassen Krankheiten wie Ebola, SARS, MERS oder Covid-19. Fachleute beobachten seit Jahren eine steigende Zahl sogenannter Spillover-Ereignisse – also Fälle, in denen ein Erreger erstmals die Artengrenze überschreitet und Menschen infiziert.

1,7 Millionen unbekannte Viren

Das Risiko ist deshalb so groß, weil Wissenschaftler davon ausgehen, dass in Säugetieren und Vögeln weltweit noch bis zu 1,7 Millionen unbekannte Viren existieren. Schätzungsweise 540.000 bis 850.000 davon könnten grundsätzlich auch Menschen infizieren. Wie flexibel sich solche Erreger anpassen können, zeigt SARS-CoV-2: Laut Weißbuch wurde das Virus inzwischen auf natürlichem Weg in mindestens 35 verschiedenen Tierarten nachgewiesen.

Auch die Vogelgrippe könnte uns gefährlich werden:

Nicht die Wildtiere selbst stellen nach Ansicht der Autoren das eigentliche Problem dar, sondern die Bedingungen, unter denen sie gehandelt werden. Fang, Transport und Haltung verursachen enormen Stress, wodurch das Immunsystem der Tiere geschwächt wird und sie Krankheitserreger verstärkt ausscheiden.

Wildtiermärkte sind das größte Problem

Besonders kritisch sind Wildtiermärkte. Dort treffen unterschiedlichste Tierarten auf engem Raum zusammen. Viren erhalten dadurch die Möglichkeit, genetisches Material auszutauschen und sich an neue Wirte anzupassen. Schlechte Hygienebedingungen, enger Kontakt zu Blut und Körperflüssigkeiten sowie das Schlachten vor Ort erhöhen zusätzlich das Risiko. Virologen sehen in solchen Märkten deshalb ideale Bedingungen für die Entstehung neuer Krankheitserreger.

Milliardenmarkt gegen die Gesundheit

Der legale internationale Handel mit Wildtieren und Wildtierprodukten ist ein gewaltiger Wirtschaftszweig. Nach Angaben des CITES-Sekretariats erreichte er bereits 2022 ein Volumen von rund 220 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Damit ist er um ein Vielfaches größer als der illegale Wildtierhandel, dessen Wert auf bis zu 23 Milliarden Dollar geschätzt wird. Das Weißbuch betont ausdrücklich, dass Gesundheitsrisiken keineswegs nur vom illegalen Handel ausgehen.

Exotische Haustiere boomen

Zusätzliche Sorgen bereitet der boomende Markt für exotische Haustiere. Tiere werden über internationale Lieferketten in zahlreiche Länder transportiert, häufig ohne umfassende Gesundheitskontrollen. Selbst Staaten wie Großbritannien oder die USA verzichten bei bestimmten importierten Wildtieren auf systematische Untersuchungen auf Krankheitserreger. Dadurch gelangen Tiere mit unbekanntem Infektionsstatus bis in private Haushalte.

Wie aktuell das Thema für Thailand ist, zeigt der Chatuchak-Wochenendmarkt in Bangkok. Er zählt nicht nur zu den größten Märkten des Landes, sondern auch zu den bedeutendsten Handelsplätzen für exotische Haustiere in Südostasien. Internationale Organisationen wie die EcoHealth Alliance nennen den Markt seit Jahren als Beispiel dafür, dass potenzielle Pandemie Risiken keineswegs auf China beschränkt sind.

Nur Tierschutz schützt vor Pandemien

Ohne grundlegende Veränderungen drohten weitere Pandemien mit erheblichen Folgen für Gesundheit, Wirtschaft und globale Lieferketten – insbesondere für Branchen wie Tourismus, Verkehr und Landwirtschaft.

Nach Berechnungen der Autoren würden Investitionen in bessere Überwachungssysteme, den Schutz natürlicher Lebensräume und strengere Regeln für den Wildtierhandel weniger als fünf Prozent der jährlichen Schäden kosten, die Pandemien weltweit verursachen.

{title && {title} } red, {title && {title} } 30.06.2026, 08:39
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