Draußen flimmert die Hitze, drinnen sorgt die Klimaanlage für angenehme Temperaturen. Doch kaum beginnen Halskratzen, eine laufende Nase oder Kopfschmerzen, ist für viele der Schuldige schnell gefunden: die Klimaanlage. Aber macht sie tatsächlich krank – oder hält sich dieser Mythos hartnäckiger als die Sommerhitze selbst? Umweltmediziner Hans-Peter Hutter von der MedUni Wien verrät gegenüber "Heute", was die Geräte wirklich auslösen.
Viele verbinden Halsschmerzen oder Schnupfen im Sommer automatisch mit kalter Luft. Tatsächlich steckt dahinter aber etwas anderes: "Man bekommt diese kränklichen Symptome nicht durch die Geräte selbst, sondern durch eine suboptimale Einstellung der Klimaanlage", erklärt Hutter. Wird die Luft zu stark heruntergekühlt oder ausgetrocknet, kann das die Schleimhäute beeinträchtigen, Beschwerden wie einen trockenen Hals oder gereizte Augen verursachen und insgesamt die lokale Immunabwehr schwächen.
Eine echte Erkältung löst die Klimaanlage jedoch nicht aus: "Erkältungen werden von Viren ausgelöst", betont der Umweltmediziner.
Auch Zugluft hat einen schlechten Ruf. Viele sind überzeugt, dass sie krank macht. Laut Hutter stimmt das nicht: "Zugluft löst auch nicht direkt eine Erkältungskrankheit aus, sie kann allerdings die Schleimhäute austrocknen und den Körper anfälliger für Krankheitserreger machen." Wer dauerhaft im kalten Luftstrom sitzt, empfindet das oft als unangenehm oder bekommt verspannte Muskeln. Mit einer Infektion hat das jedoch nichts zu tun.
Ein Risiko gibt es allerdings durchaus – allerdings nicht wegen der kalten Luft selbst: "Ältere Klimaanlagen, die nicht regelmäßig gewartet werden, können ein Hotspot für Biofilme sein, in denen sich Bakterien vermehren", erklärt Hutter. Werden verschmutzte Geräte betrieben, können diese Keime mit der ausgeblasenen Luft im Raum verteilt werden.
Viele möchten nach der Sommerhitze möglichst schnell abkühlen – und stellen die Klimaanlage auf eiskalte Temperaturen. Das hält der Umweltmediziner für den größten Fehler: "Wenn es draußen über 30 Grad hat, sollte es drinnen nicht 'kälter' als 24 oder 25 Grad sein."
Ein zu großer Temperaturunterschied belastet den Kreislauf unnötig: Wer ständig zwischen großer Hitze und stark gekühlten Räumen wechselt, empfindet das häufig als anstrengend und belastend.
Nicht immer muss es gleich eine Klimaanlage sein. Hutter empfiehlt zunächst einen Ventilator als Alternative: Moderne Geräte verbrauchen deutlich weniger Energie, gelten als umweltfreundlicher und sind inzwischen auch in besonders leisen Ausführungen erhältlich, die sich für die Nacht eignen.
Mindestens genauso wichtig sind einfache Maßnahmen gegen aufgeheizte Wohnräume: Fenster sollten tagsüber möglichst abgedunkelt bleiben. Gelüftet wird idealerweise erst in den frühen Morgenstunden oder spätabends, wenn die Außentemperaturen deutlich gesunken sind.