"Strategischer Rückschritt"

Sparpaket: MedUni warnt vor Rückfall um 20 Jahre

Die MedUni Wien warnt vor Einschnitten durch die Budgetpläne. Rektor Müller befürchtet einen "strategischen Rückschritt" und rund 200 Stellen weniger.
Newsdesk Heute
31.08.2026, 10:50
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Die Medizinische Universität Wien könnte vor massiven Einschnitten stehen. Rektor Markus Müller warnt vor den Budgetplänen der Regierung und rechnet nach aktuellem Stand mit einem realen Minus von rund 14 Prozent – mit möglichen Folgen für Hunderte Stellen.

Sollten die derzeitigen Pläne für die Jahre 2028 bis 2030 bestehen bleiben, sieht Müller einen "strategischen Rückschritt". Die Universitäten würden bei der Finanzierung auf das Niveau von Mitte der 2000er-Jahre zurückfallen.

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"Wenn es so bleiben sollte, müssen wir uns Anfang nächsten Jahres Gedanken über - sagen wir es einmal so - gravierende Effizienzmaßnahmen machen."

Entscheidung muss bis Oktober fallen

Österreichs Universitäten werden überwiegend über Leistungsvereinbarungen finanziert, die jeweils drei Jahre umfassen. Bis Ende Oktober muss feststehen, wie viel Geld ihnen für den Zeitraum von 2028 bis 2030 zur Verfügung stehen wird.

Ein erster Entwurf des Wissenschaftsministeriums hatte sogar nominelle Kürzungen vorgesehen und Proteste ausgelöst. Die Entscheidung wurde daraufhin vertagt. Zunächst wurde das derzeitige Budget fortgeschrieben.

Gleichzeitig muss das Wissenschaftsministerium allein 2028 rund 190 Millionen Euro einsparen. Dazu kommt für die Universitäten eine weitere Belastung: Rund 100 Millionen Euro an Ärztegehältern pro Jahr, die bisher größtenteils der Bund übernommen hat, sollen künftig von den Hochschulen selbst getragen werden.

Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) stellte Ende Juni ein "moderates" Plus in Aussicht. Seither habe man jedoch nichts mehr gehört, kritisiert Müller. Auch über eine geplante Regierungsklausur gebe es noch keine konkreten Informationen.

"Wir waren vor 20 Jahren nicht konkurrenzfähig"

Der Rektor sieht damit einen jahrelangen Aufholprozess gefährdet. "Es war Strategie mehrerer Bundesregierungen seit ca. 2010, Österreich bei der Universitätsfinanzierung international auf ein akzeptables Niveau zu bringen. Wir waren vor 20 Jahren nicht konkurrenzfähig, wir sind es seit kurzem."

Die aktuellen Pläne würden aus seiner Sicht eine Abkehr von diesem rund 15 Jahre verfolgten Kurs bedeuten.

An der MedUni Wien müsste man sich bei entsprechenden Kürzungen wohl schon Anfang 2027 auf die neue finanzielle Situation einstellen. "Man muss sich eine Universität wie einen großen Tanker vorstellen: Wenn Sie den Motor abschalten, fährt er eine Zeit weiter. Umgekehrt ist es aber auch so: Ein Bremsweg dauert recht lange."

Rund 200 Vollzeitstellen weniger

Besonders schwierig ist die Situation laut Müller für die medizinischen Universitäten. Sie übernehmen neben Forschung und Lehre auch Aufgaben in der Versorgung von Patienten an den Universitätskliniken.

An der MedUni Wien fließen rund 90 Prozent des Budgets in das Personal. "Die Rechnung ist sehr einfach: Wir stellen 1.700 Ärzte für den Betrieb des AKH, das ist das gesamte ärztliche Personal", erklärt Müller.

Müsste die Universität tatsächlich real rund 14 Prozent einsparen und würden die Kürzungen auf alle Bereiche verteilt, entspräche das laut dem Rektor einem Minus von rund 200 Vollzeitäquivalenten. "Ich würde mich sehr freuen, wenn die Zahlen am Ende des Tages andere sind. Die informellen Signale, die wir derzeit bekommen, sind aber so, dass da wenig Fantasie besteht."

Mehr Medizin-Studienplätze? "Absurd"

Vor diesem Hintergrund hält Müller die neuerliche Debatte über zusätzliche Medizin-Studienplätze für "absurd". Die Zahl der Anfängerplätze an öffentlichen Universitäten sei auf politischen Druck bereits auf knapp 2.000 erhöht worden. Gemeinsam mit Privatuniversitäten gebe es rund 2.400 Plätze.

Zum Vergleich verweist Müller auf Deutschland: Dort gebe es bei einer rund zehnmal größeren Bevölkerung lediglich 12.000 Studienplätze.

Die MedUni Wien bietet derzeit 704 Plätze für Studienanfänger in Humanmedizin. Gemeinsam mit Zahnmedizin sind es 784. "Die größte Schweizer Einrichtung, die Universität Bern, hat 320 Plätze."

Das eigentliche Problem sieht Müller nicht bei der Ausbildung, sondern darin, dass Absolventen danach für das österreichische Gesundheitssystem verloren gehen. "Wir haben einen Kübel mit einem Loch - da ist es besser, das Loch zu stopfen und nicht oben mehr Wasser reinzuschütten."

Rektor verteidigt ausländische Studenten

Auch die Debatte über den Anteil ausländischer Medizinstudenten hält Müller für verfehlt. An der MedUni Wien hätten heuer 89 Prozent der Studienanfänger ein österreichisches Maturazeugnis.

"Mir gefällt auch diese Diskussion über ausländische Studierende oder Worte wie Numerus-Clausus-Flüchtlinge nicht. Das sind begabte junge Leute, wo wir uns freuen sollten, dass sie unser Land bereichern. Mit solchen Diskussionen werden sie eher vertrieben."

{title && {title} } red, {title && {title} } 31.08.2026, 10:50