Die Jugendkriminalität in Österreich explodiert. Geht es nach aktuellen Zahlen aus dem Innenministerium, ist die Zahl der tatverdächtigen Zehn- bis unter 14-Jährigen im Vorjahr um 9,4 Prozent auf 13.179 gestiegen.
Auch in Niederösterreich gab es zuletzt schwere Fälle von schwerer Jugendgewalt, etwa einen Raubüberfall unter Beteiligung einer 13-Jährigen in Wiener Neustadt. In Wien haben ein Zwölf- und ein 14-Jähriger einen zwölfjährigen Buben attackiert und ausgeraubt.
Die alarmierenden Zahlen rufen nun auch die Politik auf den Plan. Im Vorfeld der LH-Konferenz macht sich Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) für eine Senkung der Strafmündigkeit von 14 auf zwölf Jahre stark. "Wir müssen alles dafür tun, dass unsere Kinder wohlbehalten aufwachsen und die Menschen in unserem Land sicher leben können", so die Landeschefin zu "Heute".
"Schwere Jugendgewalt beschäftigt andere europäische Länder schon länger und wird auch in Österreich zunehmend zum Problem. Diese Entwicklung müssen wir ernst nehmen und frühzeitig gegensteuern", warnt Mikl-Leitner. Bei jungen, gewaltbereiten Menschen dürfe man nicht wegschauen. Wer gegen Gesetze und Regeln verstoße, müsse auch mit Konsequenzen rechnen.
Vor allem gegen junge Intensivtäter, die wiederholt schwere Straftaten begehen, brauche es eine klare Handhabe. "Wer mit zwölf oder dreizehn Jahren schwere Gewalttaten begeht, kann derzeit strafrechtlich nicht zur Verantwortung gezogen werden. Das ist das falsche Signal", stellt Mikl-Leitner klar. Für die Opfer mache es schließlich keinen Unterschied, ob ein Täter 13 oder 14 Jahre alt sei. "Die Schmerzen sind dieselben."
Dabei gehe es der Landeshauptfrau nicht darum, Kinder ins Gefängnis zu stecken. Vielmehr müssten ihnen frühzeitig Grenzen aufgezeigt und weitere Straftaten verhindert werden. Dafür brauche es altersgerechte Maßnahmen, verpflichtende Betreuung und entsprechende rechtliche Möglichkeiten.
Gleichzeitig verweist Mikl-Leitner auf Maßnahmen, die in Niederösterreich bereits umgesetzt werden. So setzt das Bundesland etwa auf die Vermittlung von Respekt, guten Manieren, gewaltfreier Konfliktlösung und Gleichberechtigung bereits im Kindergarten.
Auch die Eltern sollen stärker in die Pflicht genommen werden. In Niederösterreich wurde deshalb eine Mitwirkungspflicht eingeführt. Wer sich weigert, bei der Integration seiner Kinder mitzuhelfen, muss mit Strafen von bis zu 2.500 Euro rechnen. "Aus den Integrationsproblemen von heute dürfen nicht die Sicherheitsprobleme von morgen werden", betont die Landeschefin.
Für Mikl-Leitner steht jedenfalls fest, dass es im Kampf gegen Jugendgewalt strengere Regeln braucht. Niederösterreich solle ein Land sein, in dem die Menschen sicher leben und die Kinder wohlbehalten aufwachsen können. "Wer alt genug ist, schwere Verbrechen zu begehen, ist auch alt genug für die Konsequenzen", stellt die Landeshauptfrau abschließend klar.