Während Frauen im Alltag oft alles gleichzeitig stemmen – Arbeit, Familie, Haushalt und emotionale Verantwortung – bleibt ausgerechnet eines häufig auf der Strecke: die eigene Gesundheit. Eine aktuelle österreichische Studie zeigt jetzt deutlich, wie groß der Druck auf viele Frauen tatsächlich ist: Obwohl sich Frauen intensiv um das Wohl anderer kümmern, fühlen sich viele mit ihren eigenen Beschwerden nicht ausreichend ernst genommen.
Die Zahlen der aktuellen GYNIAL-Studie zeichnen ein deutliches Bild: 94 Prozent der Österreicherinnen sind überzeugt, dass Frauen sich häufiger um die Gesundheit ihrer Familie kümmern als um ihre eigene. Auch in Beziehungen tragen Frauen laut Studie oft die größere Verantwortung: 87 Prozent der befragten Frauen sagen, Frauen würden sich sogar mehr um die Gesundheit ihres Partners kümmern als dieser selbst.
Gleichzeitig geht nur rund jede vierte Frau nicht regelmäßig zur gynäkologischen Vorsorge. In Wien liegt dieser Wert sogar noch niedriger: Nur 77 Prozent der Wienerinnen gehen regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung.
Besonders alarmierend: Mehr als die Hälfte der Frauen gibt an, sich mit frauenspezifischen Beschwerden von Ärzten nicht ausreichend ernst genommen zu fühlen. 74 Prozent der Frauen haben zudem den Eindruck, dass gesundheitliche Beschwerden von Frauen generell weniger ernst genommen werden als jene von Männern.
Auch gesellschaftlich scheint das Thema oft unterschätzt zu werden: Laut Studie glauben 60 Prozent der Österreicherinnen, dass Frauen mit ihren Beschwerden häufiger abgewertet oder relativiert werden.
Neun von zehn Frauen spüren laut Studie einen enormen gesellschaftlichen Druck, ständig leistungsfähig zu sein, selbst dann, wenn es ihnen körperlich oder psychisch schlecht geht. Besonders deutlich wird der Unterschied beim Blick auf Belastbarkeit: 88 Prozent der Frauen sagen, sie hätten das Gefühl, stärker sein zu müssen als Männer. Bei Männern selbst sieht das nur etwa jeder Zweite so.
Obwohl die Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher angibt, vom weiblichen Körper fasziniert zu sein, fühlt sich längst nicht jede ausreichend informiert. Besonders junge Frauen sehen große Wissenslücken: Unter den 20- bis 29-Jährigen fühlen sich nur sieben von zehn ausreichend über Frauengesundheit aufgeklärt.
GYNIAL-Geschäftsführerin Elisabeth Pichler warnt deshalb vor den Folgen fehlender Information: "Der weibliche Körper leistet Erstaunliches – von der Menstruation über Schwangerschaft bis hin zu den Wechseljahren. Umso problematischer ist es, dass gerade junge Frauen in einer entscheidenden Lebensphase nicht ausreichend informiert sind."
Auch bei der Intimgesundheit herrscht weiterhin großer Aufholbedarf: Obwohl 87 Prozent der Frauen bewusst auf ihre Intimgesundheit achten, sprechen viele Beschwerden kaum offen an. Besonders deutlich zeigt sich das beim Thema Scheidentrockenheit: Mehr als ein Drittel der Frauen war laut Studie bereits davon betroffen. Bei Frauen zwischen 40 und 49 Jahren liegt der Anteil sogar noch höher.
Die Ergebnisse der Studie zeigen vor allem eines: Frauengesundheit ist noch immer ein Thema, das häufig unterschätzt wird, sowohl gesellschaftlich als auch im Gesundheitssystem.