Braun sein, koste es, was es wolle: Auf Social Media macht diesen Sommer ein Trend die Runde, der genau das propagiert. Beim sogenannten "Tanmaxxing" wird die Haut gezielt möglichst intensiver UV-Strahlung ausgesetzt – oft in der Mittagssonne. Das Ziel: möglichst schnell möglichst braun werden.
Für die Wiener Dermatologin Barbara Franz ist das kein harmloser Beauty-Trick, sondern ein gefährlicher Trend. "Ich halte es für brandgefährlich, dass in Social Media selbst ernannte Spezialisten, egal zu welchem Thema, ihre Meinung kundtun", sagt sie im "Heute"-Gespräch. Besonders problematisch sei, dass Jugendliche solche Inhalte oft ungefiltert übernehmen.
"Es gibt keine gesunde Bräune", so Franz. Schon gar nicht zur Mittagszeit. Der Grund: Zu dieser Tageszeit ist der UV-Index besonders hoch – und damit auch die Belastung für die Haut. "Es gibt überhaupt kein Für, es gibt nur Gegenargumente."
Dass die Haut irgendwann "gewöhnt" an die Sonne sei, hält die Dermatologin für einen gefährlichen Irrtum. Zwar verfügt die Haut über eigene Schutzmechanismen, diese seien aber nur begrenzt belastbar.
„Der Körper hat nur ganz, ganz kurz die Möglichkeit, die UV-Strahlung selbst zu kompensieren. Das ist eine Frage von wenigen Minuten.“
"Der Körper hat nur ganz, ganz kurz die Möglichkeit, die UV-Strahlung selbst zu kompensieren. Das ist eine Frage von wenigen Minuten." Alles darüber hinaus könne Schäden auf zellulärer Ebene verursachen – lange bevor ein sichtbarer Sonnenbrand entsteht.
Die Folgen reichen laut Franz von akuten Verbrennungen bis zu langfristigen Schäden. Franz beschreibt die UV-Belastung deshalb als eine Art Konto: "Wir haben ein Sonnenkonto. Die Haut hat einen wahnsinnigen Memory-Effekt und merkt sich jeden Sonnenstrahl."
„Wir haben ein Sonnenkonto.“
Jeder einzelne Sonnenstrahl werde gewissermaßen auf diesem Konto verbucht. "Am Ende des Lebens, so wie immer, präsentiert sich einem die Rechnung." UV-Strahlung verursacht oxidativen Stress in der Haut, fördert die Bildung freier Radikale und beschleunigt die Hautalterung. Altersflecken und Falten können die sichtbare Rechnung sein.
Noch schwerer wiegt das steigende Hautkrebsrisiko. Gerade der sogenannte weiße Hautkrebs tritt häufig erst im höheren Alter auf. Dazu zählen unter anderem Basaliome und Spinaliome sowie deren Vorstufen. Auch das Melanom, der besonders aggressive schwarze Hautkrebs, steht mit UV-Belastung in Zusammenhang.
Die Dermatologin warnt deshalb davor, nur den Sonnenbrand als Maßstab zu nehmen. Schäden können bereits entstehen, bevor die Haut sichtbar rot wird.
Die Vorstellung, man könne die Haut durch leichte Rötungen langsam an die Sonne gewöhnen, sei ebenfalls falsch. Franz verweist allerdings auf einen interessanten Unterschied zwischen Menschen mit regelmäßiger beruflicher Sonnenexposition und jenen, die nur gelegentlich intensiv Sonne tanken.
Menschen, die etwa beruflich viel im Freien arbeiten, können gewisse Anpassungsreaktionen der Haut entwickeln. Die Haut wird unter anderem dicker und ihre natürlichen Schutzmechanismen können sich verändern. Franz betont jedoch ausdrücklich: "Gesund ist es trotzdem nicht."
Besonders problematisch sei dagegen das klassische Urlaubsmuster: monatelang im Büro sitzen und dann zwei Wochen lang möglichst intensiv Sonne tanken. Gerade diese geballte UV-Exposition könne das Hautkrebsrisiko erhöhen.
Entscheidend sei aber vor allem der individuelle Hauttyp. Menschen mit sehr heller Haut, roten Haaren und hellen Augen seien besonders gefährdet. Der klassische keltische Hauttyp etwa werde kaum braun, sondern bekomme schnell einen Sonnenbrand.
Bei der Empfindlichkeit spielen laut Franz mehrere Faktoren eine Rolle. Grundsätzlich gelte: Je heller und sonnenempfindlicher der Hauttyp, desto kürzer ist die Zeit, in der die Haut die UV-Strahlung ohne Schaden verkraften kann.