Jahrelang verschwand sie irgendwo zwischen Shopper, Crossbody-Bag und XXL-Tasche: die Clutch. Kein Henkel, wenig Platz und immer eine Hand weniger frei – praktisch war anders. Doch ausgerechnet dieses einst belächelte Accessoire ist plötzlich wieder überall zu sehen.
Früher war die Rollenverteilung eindeutig: Die Clutch kam heraus, wenn das Kleid schick und der Anlass entsprechend elegant war. Im Alltag griff man lieber zu Taschen, die mehr Platz und vor allem einen Trageriemen boten. Diese Regeln interessieren heute kaum noch: Die Clutch wird mittlerweile auch zu Jeans und Blazer getragen. Ihr Vorteil: Selbst ein schlichtes Outfit bekommt durch die klare Form sofort einen eleganteren Twist.
Der Stilbruch ist dabei ausdrücklich erwünscht. Eine edle Clutch zur sportlichen Hose? Funktioniert. Ein auffälliges Modell zum schlichten Shirt? Ebenso. Statt sich dem Outfit unterzuordnen, darf die Tasche selbst zum Hingucker werden.
Auch optisch hat sich einiges getan. Wer bei Clutches ausschließlich an winzige schwarze Täschchen denkt, in denen kaum Smartphone und Schlüssel Platz finden, dürfte überrascht sein. Designer setzen inzwischen auf unterschiedliche Größen, ungewöhnliche Silhouetten und auffällige Materialien. Von weich und voluminös bis streng geometrisch ist praktisch alles dabei. Besonders spannend: Viele Modelle kommen deutlich größer daher als ihre Vorgänger.
Damit verschwindet eines der größten Argumente gegen die Clutch. Denn plötzlich passen nicht mehr nur Lippenstift und Kreditkarte hinein, sondern auch die Dinge, die man tagsüber tatsächlich braucht.
Mit dem Comeback verändert sich auch die Art, wie die Tasche getragen wird: Statt sie förmlich mit beiden Händen vor dem Körper zu halten, wird sie heute locker unter den Arm geklemmt, seitlich an den Körper gedrückt oder lässig in einer Hand getragen. Der Trend geht sogar noch einen Schritt weiter: Auch klassische Handtaschen mit Henkeln werden teilweise bewusst wie Clutches getragen. Der Griff bleibt dabei einfach unbenutzt – Hauptsache, die Tasche wirkt möglichst beiläufig.
Vielleicht liegt genau darin der Reiz des Comebacks. Während Mode jahrelang möglichst funktional sein sollte, darf ein Accessoire plötzlich wieder vor allem eines: gut aussehen.