Erbe auf der Kippe

Bally vor dem Aus! Jetzt zittern 40.000 Paar Schuhe mit

Jahrzehntelang sammelte die Schweizer Schuhmarke seine eigene Geschichte. Nun könnte ausgerechnet dieser Schatz zum Sorgenkind werden.
Heute Life
23.08.2026, 14:58
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In Schönenwerd im Schweizer Kanton Solothurn erinnert vieles an eine Zeit, in der Bally nicht nur Schuhe produzierte, sondern eine ganze Gemeinde prägte. Alte Arbeiterhäuser, ehemalige Fabrikgebäude und historische Maschinen erzählen noch heute vom Aufstieg der weltbekannten Marke. Doch hinter verschlossenen Türen lagert der vielleicht wertvollste Zeuge dieser Ära: Zehntausende Schuhe aus rund 175 Jahren Firmengeschichte.

Während die Brand tief in der Krise steckt und die Zukunft des Unternehmens ungewiss ist, stellt sich deshalb eine ganz andere Frage: Was passiert mit dieser einzigartigen Schatzkammer, sollte es tatsächlich zum Konkurs kommen?

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40.000 Paar Schuhe erzählen Geschichte

Auf einem früheren Bally-Fabrikareal betreibt die Stiftung Ballyana heute ein Industriemuseum. Eine Sohlen-Durchnähmaschine aus dem Jahr 1870 steht dort neben historischen Werbeplakaten, Fotografien und Dokumenten.

Die eigentliche Attraktion befindet sich jedoch nebenan – und ist nicht öffentlich zugänglich. Rund 40.000 historische Bally-Schuhe sollen dort sorgsam aufbewahrt werden. Darunter befinden sich etwa Damenstiefeletten mit dem für Bally charakteristischen Elastikband aus dem Jahr 1875 oder Pumps aus Schlangenleder von 1928. Doch die Sammlung gehört nicht dem Museum, sondern Bally selbst. Und damit hängt ihre Zukunft unmittelbar an jener des angeschlagenen Unternehmens.

"Eine der größten und schönsten Sammlungen"

Das Archiv besteht längst nicht nur aus Schuhen. Über Jahrzehnte sammelten Unternehmen und Mitarbeiter Briefe, Fotografien, Filme, Firmenzeitschriften, Werbematerialien und zahlreiche weitere Zeugnisse der Unternehmensgeschichte. Für Philipp Abegg, Präsident der Stiftung Ballyana und selbst Nachfahre der Bally-Familie, ist der historische Wert enorm. Er bezeichnet das Firmenarchiv als eine der "größten und schönsten industriehistorischen Sammlungen in Mitteleuropa".

Bally hat in seiner langen Geschichte schließlich weit mehr hinterlassen als Luxusmode. Die 1851 gegründete Firma entwickelte sich von Schönenwerd aus zu einem internationalen Unternehmen und prägte die Schweizer Industriegeschichte über Generationen.

Stiftung legt bereits "Kriegskasse" an

Doch genau dieses Erbe könnte bei einem endgültigen Aus des Unternehmens zum Problem werden. Im Fall eines Konkurses könnten Vermögenswerte grundsätzlich Teil der Verwertung werden. Ballyana bereitet sich deshalb auf den Ernstfall vor. Laut Abegg hat die Stiftung bereits eine "Kriegskasse" aufgebaut. Damit soll im entscheidenden Moment Geld verfügbar sein, um eine mögliche Rettung des Archivs zu unterstützen.

Auch der Kanton Solothurn ist aktiv geworden: Die Sammlung wurde vorläufig für ein Jahr unter Schutz gestellt. In diesem Zeitraum darf sie weder verkauft noch an einen anderen Ort gebracht werden. Möglich macht das ein kantonales Gesetz, das neben klassischen Denkmälern auch bewegliche Kulturgüter wie bedeutende Archive schützen kann.

Eine neue Stiftung soll Ballys Erbe retten

Abegg schwebt langfristig eine andere Lösung vor: Gemeinsam mit dem Kanton und dem Unternehmen könnte eine neue Stiftung entstehen. Bally würde demnach seine Marken- und Designrechte behalten, während das historische Archiv samt Schuhsammlung in die Stiftung überführt würde. Damit könnte verhindert werden, dass ein einzigartiger Bestand im schlimmsten Fall auseinandergerissen wird oder einzelne Stücke an unterschiedliche Käufer gehen.

Es geht um weit mehr als alte Schuhe

Für die Verantwortlichen steht deshalb nicht bloß eine außergewöhnlich große Schuhsammlung auf dem Spiel. Es geht um die Geschichte eines Unternehmens, das einen Ort, Arbeitswelten, Design und die Schweizer Industriekultur über mehr als eineinhalb Jahrhunderte mitgeprägt hat.

{title && {title} } red, {title && {title} } 23.08.2026, 14:58