Die Szene kennt fast jeder Fußballfan: Ein Spieler greift während einer Unterbrechung zur Wasserflasche, nimmt einen großen Schluck – und spuckt die Flüssigkeit Sekunden später wieder aus. Wer das zum ersten Mal sieht, fragt sich unweigerlich: Warum trinken die Profis ihr Wasser eigentlich nicht?
Für viele Zuschauer wirkt das seltsam. Schließlich verlieren die Profis während eines Spiels durch das Schwitzen enorme Mengen an Flüssigkeit. Warum also trinken sie nicht einfach? Die Antwort liegt in einer Technik, die in der Sportwissenschaft als "Carb rinsing" bekannt ist.
"Carb rinsing" bedeutet übersetzt so viel wie Kohlenhydrat-Spülung: Dabei nehmen Spieler ein kohlenhydrathaltiges Sportgetränk in den Mund, spülen es für einige Sekunden hin und her und spucken es anschließend wieder aus. Das Getränk landet also gar nicht im Magen. Was zunächst sinnlos erscheint, verfolgt ein klares Ziel: Das Gehirn soll glauben, dass neue Energie unterwegs ist.
In der Mundhöhle befinden sich spezielle Rezeptoren, die Kohlenhydrate erkennen können. Kommen diese mit einem Sportgetränk in Kontakt, senden sie Signale an bestimmte Bereiche des Gehirns. Studien zeigen, dass dadurch Regionen aktiviert werden, die mit Motivation, Aufmerksamkeit und Leistungsbereitschaft verbunden sind. Das Gehirn registriert gewissermaßen: Es kommt Energie.
Der interessante Teil: Dieser Effekt tritt bereits auf, bevor die Kohlenhydrate überhaupt verdaut oder aufgenommen werden.
Profifußballer müssen ihren Flüssigkeitshaushalt während eines Turniers genau im Blick behalten: Vor dem Spiel, in der Halbzeit und nach dem Schlusspfiff nehmen sie regelmäßig Wasser, Elektrolytgetränke oder spezielle Sportdrinks zu sich.
Das Ausspucken ersetzt die Flüssigkeitszufuhr also nicht: Es handelt sich vielmehr um eine zusätzliche Strategie, die in bestimmten Spielsituationen eingesetzt wird.