Kaum sitzt man an einem lauen Sommerabend im Gastgarten oder genießt den Sonnenuntergang am See, ist es auch schon passiert: Eine Mücke hat zugestochen. Während manche nur einen kleinen roten Punkt davontragen, kämpfen andere tagelang mit starkem Juckreiz und geschwollenen Einstichstellen. Doch können ausgerechnet Allergietabletten die Beschwerden lindern?
Der lästige Juckreiz entsteht nicht durch den Stich selbst, sondern durch die Reaktion des Körpers. Beim Stechen gibt die Mücke Speichel in die Haut ab. Das Immunsystem reagiert darauf und schüttet den Botenstoff Histamin aus. Dieser sorgt dafür, dass sich die Blutgefäße erweitern und die typische Rötung, Schwellung und der Juckreiz entstehen.
Genau an diesem Punkt setzen Antihistaminika an: "Allergietabletten wie Cetirizin blockieren die Allergiesymptome, sie können dabei aber nicht zwischen den Auslösern der allergischen Reaktion unterscheiden", erklärt Professorin Silke Hofmann, Direktorin des Zentrums für Dermatologie, Allergologie und Dermatochirurgie am Helios Universitätsklinikum Wuppertal, gegenüber "Öko Test".
Wer während der Pollensaison ohnehin Antihistaminika einnimmt, könnte deshalb feststellen, dass auch Mückenstiche weniger stark anschwellen oder weniger jucken.
Vor allem Menschen, die auf Mückenstiche mit großen Schwellungen reagieren, fragen sich, ob eine vorbeugende Einnahme sinnvoll sein kann – etwa vor einem Urlaub in einer mückenreichen Region.
Die Antwort der Allergologin lautet: grundsätzlich ja. "Eine vorbeugende Einnahme kann durchaus sinnvoll sein, wenn man auf Mückenstiche mit ausgeprägten lokalen Schwellungen reagiert." Allerdings haben die Tabletten Grenzen. Sie verhindern weder den Stich noch die eigentliche Immunreaktion. Sie sorgen lediglich dafür, dass die Symptome schwächer ausfallen.
Auch wenn Antihistaminika die Beschwerden lindern können, ersetzen sie keinen wirksamen Schutz vor Mücken. Lange Kleidung, Insektensprays mit Repellents und Moskitonetze bleiben laut Experten die wichtigsten Maßnahmen. Schließlich ist es besser, gar nicht erst gestochen zu werden, als den Juckreiz später behandeln zu müssen.