Neue Hoffnung

Allergie für immer? Wiener Studie stellt das infrage

Juckende Augen, Niesattacken und eine verstopfte Nase – für viele gehören Allergien zum Alltag. Doch das muss nicht unbedingt für immer so bleiben.
Heute Life
16.06.2026, 12:22
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Die Nase rinnt, die Augen jucken und selbst ein Spaziergang im Park wird zur Herausforderung: Wer einmal eine Allergie entwickelt hat, geht meist davon aus, dass sie ein Leben lang bleibt. Doch genau dieses weitverbreitete Verständnis könnte zu kurz greifen.

Eine große Wiener Langzeitstudie zeigt nun: Allergien sind offenbar deutlich wandelbarer als bisher angenommen. Sie können neu entstehen, sich verändern – und in manchen Fällen sogar wieder verschwinden.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Allergien sind nicht in Stein gemeißelt

Lange galt eine allergische Sensibilisierung als etwas Dauerhaftes: Wer auf Pollen, Tierhaare oder andere Allergene reagiert, bleibt davon betroffen – so die bisherige Annahme. Forscher des Ludwig Boltzmann Instituts für Lungengesundheit haben dieses Bild nun genauer untersucht.

Im Rahmen der Wiener LEAD-Studie, einer groß angelegten Gesundheitsuntersuchung, analysierte das Team um Wissenschafterin Robab Breyer-Kohansal die Daten von mehr als 5.000 Teilnehmern. Über mehrere Jahre hinweg wurden dieselben Personen regelmäßig auf allergische Sensibilisierungen getestet. Das Ergebnis: Die Entwicklung von Allergien verläuft deutlich dynamischer als bisher gedacht.

Bei manchen verschwand die Allergie wieder

Für die Untersuchung wurden insgesamt 5.046 Personen dreimal im Abstand von jeweils etwas mehr als vier Jahren mittels Haut-Pricktest untersucht. Während etwas mehr als die Hälfte der Teilnehmer dauerhaft keine allergische Sensibilisierung aufwies und knapp ein Drittel durchgehend sensibilisiert blieb, zeigte sich bei einem bemerkenswerten Teil der Probanden eine Veränderung.

Bei 5,6 Prozent verschwand die Sensibilisierung im Laufe der Jahre wieder vollständig. Gleichzeitig entwickelten 4,8 Prozent erstmals eine neue Allergie. Weitere Teilnehmer zeigten wechselnde Ergebnisse. Die Studienautoren sehen darin einen klaren Hinweis darauf, dass Allergien keineswegs unveränderlich sind.

Überraschende Unterschiede je nach Alter

Besonders spannend: Das Alter spielte bei den Veränderungen eine wichtige Rolle. Neue allergische Sensibilisierungen traten vor allem bei Kindern und Jugendlichen auf. Personen unter 18 Jahren entwickelten deutlich häufiger erstmals eine Allergie. Anders sah es bei älteren Menschen aus: Bei Teilnehmern über 60 Jahren verschwand eine bestehende Sensibilisierung vergleichsweise häufig wieder.

Gene, Umwelt & Lebensstil spielen mit

Auch andere Faktoren beeinflussen das Allergierisiko. Menschen mit einer familiären Vorbelastung wiesen häufiger stabile Allergien auf. Schwankende Testergebnisse fanden die Forscher hingegen öfter bei Übergewicht sowie nach bestimmten Umweltbelastungen.

Untersucht wurden unter anderem Reaktionen auf Ragweed-Pollen, Baumpollen und Haustiere. Gerade saisonale Pollenallergien zeigten besonders häufig Veränderungen im Verlauf der Jahre.

Neue Allergien auch im Erwachsenenalter möglich

Die Untersuchung zeigt, dass neue Sensibilisierungen selbst noch im Erwachsenenalter auftreten können. Wer jahrelang beschwerdefrei war, ist also nicht automatisch davor geschützt, später doch noch allergisch auf bestimmte Stoffe zu reagieren.

Gleichzeitig macht die Studie Hoffnung für Betroffene. Denn auch das Gegenteil scheint möglich zu sein: Manche Allergien verlieren im Laufe des Lebens an Bedeutung oder verschwinden sogar vollständig.

{title && {title} } red, {title && {title} } 16.06.2026, 12:22
Jetzt E-Paper lesen