Österreichs Schuldenberg wächst weiter. Allein im ersten Halbjahr 2026 kamen 20,5 Milliarden Euro dazu. Die Schuldenquote stieg von 80,7 Prozent Ende 2025 auf 83,6 Prozent der Wirtschaftsleistung zur Jahresmitte 2026.
Das Finanzministerium geht aktuell von einem gesamtstaatlichen Budgetdefizit von 4,1 % des BIP bzw. von 22 Milliarden Euro für das Jahr 2026 aus. Damit würde man weiterhin deutlich über der europäischen Maastricht-Defizitgrenze von 3 % bleiben.
Bei einer Pressekonferenz am Freitag präsentierte der Fiskalrat seinen aktualisierten Budgetausblick für die Jahre 2026 und 2027. Demnach dürfte das gesamtstaatliche Defizit heuer bei 4,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) liegen, für 2027 werden 3,6 Prozent erwartet.
Wie Alena Harrer-Bachleitner erklärte, hat sich die wirtschaftliche Einschätzung gegenüber der Frühjahrsprognose kaum verändert. Allerdings mussten die Erwartungen für Inflation und Zinsen nach oben korrigiert werden. Auch die Prognose für die Staatsschulden bleibt weitgehend unverändert: Die Schuldenquote dürfte heuer auf rund 82 Prozent des BIP und im kommenden Jahr auf etwa 83 Prozent steigen.
Für zusätzlichen Druck sorgen vor allem die steigenden Ausgaben für Pensionen, Gesundheit und Zinsen. Wie Fiskalrat-Experte Johannes Holler ausführte, machen die Pensionsausgaben seit 2025 bereits rund 16 Prozent des BIP aus. Auch im Gesundheitsbereich sei mit weiteren deutlichen Kostensteigerungen zu rechnen.
Hinzu kommt die Zinswende, die den Staat zunehmend belastet. Seit 2023 steigen die Zinsausgaben deutlich an. Bis 2027 dürften sie laut Prognose auf rund elf Milliarden Euro beziehungsweise etwa zwei Prozent des BIP anwachsen. Sorgen bereitet den Experten außerdem die finanzielle Lage der Bundesländer und Gemeinden. Auch dort hätten sich hohe Defizite mittlerweile verfestigt.
Besonders deutliche Worte fand Fiskalratspräsident Christoph Badelt. Auf den ersten Blick könnte man zwar glauben, dass bei Österreichs Budget ohnehin alles in Ordnung sei. Schließlich habe sich die Prognose kaum verändert, das Defizit entspreche weitgehend den Erwartungen des Finanzministeriums und auch die Ausgabenvorgaben würden eingehalten. Doch dieser Eindruck täusche.
Badelt betonte, dass die Prognosen des Fiskalrats für 2028 deutlich von jenen des Finanzministeriums abweichen. Eine Rückkehr unter die Maastricht-Defizitgrenze von drei Prozent sei mit den derzeitigen Plänen nicht zu schaffen. Vor allem die jüngsten politischen Entscheidungen sieht er kritisch. "Das macht uns wirklich Sorge, es bahnt sich etwas an", warnte Badelt mit Blick auf die fehlende Gegenfinanzierung neuer Maßnahmen – etwa die Dürrehilfen oder das Zukunftspakt.
Badelt stellte zudem klar, dass selbst eine Rückkehr zu einem Defizit von drei Prozent langfristig nicht ausreichen würde. "Ökonomisch ist das ein absurdes Ziel", sagte der Fiskalratspräsident. Denn selbst bei einem Defizit in dieser Höhe würden die Staatsschulden weiter steigen. Auch die Zinsbelastung nehme dadurch zu, während sich die Schuldenquote langfristig in Richtung der hohen 80-Prozent-Marke bewegen könnte.
Selbst wenn Österreich das Drei-Prozent-Ziel erreichen sollte, wäre damit das Sparen also keineswegs beendet. Im nächsten Schritt müsste auch die Schuldenquote wieder gesenkt werden – eine aus Badelts Sicht noch wesentlich größere Herausforderung. "Ich mache voller Sorge die Beobachtung, dass neue Maßnahmen beschlossen werden und gleichzeitig die Hoffnung erweckt wird, dass nach 2028 alles wieder wunderbar sein wird", warnte Badelt.
Deutliche Kritik übte der Fiskalratspräsident auch an der bisherigen Reformpartnerschaft zwischen Bund, Ländern und Gemeinden. Dabei sprach er von einem "hohen Frustrationsniveau". Die bisher präsentierten Ergebnisse würden kaum dazu beitragen, Österreichs Budgetdefizit tatsächlich zu senken.
"In der Republik ist nicht angekommen, dass wir nicht das Geld haben, irgendwas zu bessern", kritisierte Badelt. Seine Warnung ist daher eindeutig: Österreich wird auch über 2028 hinaus sparen müssen. Werden weiterhin zusätzliche Ausgaben ohne ausreichende Gegenfinanzierung beschlossen, dürfte die notwendige Budgetsanierung noch schwieriger werden.