Der Urlaub beginnt eigentlich perfekt: Der Koffer ist eingecheckt, das Gate gefunden und die Vorfreude auf Strand, Sonne oder Städtetrip riesig. Doch genau in diesem Moment kann eine perfide Betrugsmasche zuschlagen, ohne dass Reisende überhaupt etwas davon bemerken. Denn Kriminelle manipulieren am Flughafen gezielt Gepäcketiketten und machen ahnungslose Passagiere plötzlich zu mutmaßlichen Drogenschmugglern.
Die Methode nennt sich "Tag-Switching": Dabei werden die Gepäcketiketten von Koffern absichtlich vertauscht. Für das Computersystem am Flughafen sieht es dann plötzlich so aus, als würde ein fremder Koffer zu einem anderen Passagier gehören.
Besonders perfide: Laut einer Recherche von "CTV News" waren es sogar Flughafenmitarbeiter in Kanada, die diesen Trick angewendet haben, um ahnungslosen Reisenden Koffer voller Drogen unterzujubeln. Ermittler gehen davon aus, dass Kriminelle so Koffer voller Drogen unbemerkt über Grenzen transportieren wollten.
"Dein Etikett landet an einem fremden Koffer voller Drogen und an deinem Koffer fehlt das Etikett entweder ganz oder es wird ein 'Beschädigt'-Etikett befestigt", beschreibt Avery Haines, kanadische Journalistin, die perfide Methode gegenüber "CTV News".
Für die eigentlichen Täter ist das Risiko gering. Läuft alles nach Plan, wird der Drogenkoffer am Zielort von Komplizen abgeholt und das Etikett wieder zurückgetauscht. Das Opfer erfährt nie, dass sein Gepäckanhänger missbraucht wurde. Scheitert der Plan allerdings, steht plötzlich ein unschuldiger Reisender mit einem Koffer voller Drogen bei der Gepäckkontrolle, während die Täter längst verschwunden sind.
Wie ernst die Gefahr ist, zeigt ein Fall aus dem vergangenen Sommer. Laut der "National Post" wurde ein Franzose nach seiner Landung in Paris wegen mutmaßlichen Drogenschmuggels festgenommen. Die Behörden fanden Cannabis in einem Koffer, der durch manipulierte Gepäckanhänger scheinbar ihm gehörte. Erst nach weiteren Ermittlungen stellte sich heraus, dass der Mann Opfer der Betrugsmasche geworden war.
In Kanada wurden später zwei Mitarbeiter eines Flughafen-Dienstleisters festgenommen. Sie sollen versucht haben, Cannabis im Wert von mehr als 147.000 Dollar nach Frankreich zu schmuggeln.
Mitesh Shah, Chef des Sicherheitsunternehmens Empire Protection in Ontario, hat gegenüber der "National Post" ein paar Tipps verraten, wie du dich vor Tag-Switching schützen kannst "Wenn ich mit meiner Familie reise, fotografiere ich gerne unsere Koffer: beim Packen, beim Abflug, am Flughafen und beim Wiegen", verrät er. Das kann im Ernstfall helfen, wenn du von den Behörden plötzlich beschuldigt wirst, einen fremden Koffer zu besitzen.
Wer einen ganz gewöhnlichen Koffer ohne auffällige Merkmale oder eine beliebte Tasche von Amazon hat, wird zudem leichter Opfer der Betrüger: "Meine Familie verziert unsere Koffer gerne mit einem Band oder etwas anderem Auffälligem, damit wir sie nach der Gepäckausgabe gleich erkennen", so Shah. Kriminelle tun sich dann viel schwerer, das Etikett unbemerkt mit einem ähnlich aussehenden Koffer zu tauschen.