Während die einen das Babydoll-Kleid als romantisch, verspielt und selbstbewusst feiern, sehen andere darin ein problematisches Frauenbild. Im Netz wird diskutiert, analysiert und gestritten. Fest steht: Das Babydoll-Kleid ist zurück. Mit Puffärmeln, Schleifen, Spitze und ultrakurzen Schnitten erobert es derzeit Laufstege, Instagram-Feeds und Innenstädte. Doch mit dem Dress-Comeback kehrt auch eine alte Debatte zurück.
Popstar Olivia Rodrigo hat eine hitzige Diskussion losgetreten, weil sie in letzter Zeit immer wieder Babydoll-Kleider getragen hat. Beim "Spotify Billions Club Live" in Barcelona etwa trat sie in einem besonders kurzen Modell der Marke Génération78 auf – und das sorgte für heftige Reaktionen. Influencerin Gizem Çelik greift das Thema auf ihrem TikTok-Account auf: "Ich habe auch ein Babydoll-Kleid", stellt sie gleich am Anfang klar.
Viele verteidigen den Look – auch für erwachsene Frauen. Ein User schreibt: "Das ist doch keine Kinderkleidung!" Andere meinen, man solle nicht immer alles "so deep" sehen, es gehe schließlich nur um Mode. "Es wird erst dadurch sexualisiert, weil Menschen es sexualisieren." Manche finden Babydoll-Kleider einfach "schön und herzig".
"Bin schockiert!", heißt es in den Kommentaren zur Debatte. Eine Userin meint: "Gerade, wenn etwas rosa und kindhaft oder jungfräulich wirkt, sollte das einfach auf keinen Fall sexualisiert werden."
Ursprünglich entstand die Silhouette des Babydoll-Kleids nicht als Straßenmode, sondern als Nachtwäsche. Designerin Sylvia Pedlar entwickelte den Schnitt während des Zweiten Weltkriegs. Aufgrund der Stoffrationierungen mussten Kleidungsstücke kürzer und materialschonender gefertigt werden. Das typische Design war also zunächst eine praktische Lösung.
Den Namen "Babydoll" habe Pedlar selbst abgelehnt, weil sie mit ihren Entwürfen erwachsene Frauen im Kopf hatte. Erst später erhielt der Schnitt durch den Film "Baby Doll" aus dem Jahr 1956 eine neue Bedeutung und wurde zunehmend mit Unschuld, Erotik und Provokation verbunden.
In den Jahrzehnten danach wandelte sich das Kleid immer wieder. Große Designer wie Cristóbal Balenciaga oder Hubert de Givenchy griffen die Silhouette auf und machten sie salonfähig. In den 1960er-Jahren wurde das Babydoll-Kleid Teil der Londoner Jugendkultur. In den 1990ern interpretierten Musikerinnen wie Courtney Love den Look neu – kombiniert mit schweren Boots, zerrissenen Strumpfhosen und bewusst rebellischer Attitüde.
Ob romantisch mit Spitze, verspielt mit Schleifen oder als Stilbruch mit groben Boots – das Babydoll-Kleid zeigt sich 2026 in zahlreichen Varianten. Besonders angesagt sind derzeit transparente Stoffe, Puffärmel und extra kurze Schnitte.