Abends vor dem Spiegel beginnt für viele Menschen die wichtigste Beauty-Routine des Tages. Mascara wird entfernt, Sonnencreme abgewaschen und die Haut auf die Nacht vorbereitet. Auf TikTok schwören derzeit Millionen Nutzer dabei auf einen Trend, der für besonders reine Haut sorgen soll: "Double Cleansing".
Die Methode stammt ursprünglich aus der koreanischen Hautpflege und gilt in sozialen Netzwerken als Geheimwaffe gegen verstopfte Poren, Unreinheiten und einen fahlen Teint. Doch ist die doppelte Reinigung tatsächlich so effektiv, wie viele Influencer behaupten? "Heute" hat bei der Wiener Hautärztin Amanda Zbyszewski nachgefragt.
Der Name verrät bereits das Prinzip: Beim "Double Cleansing" wird das Gesicht nicht einmal, sondern zweimal gereinigt – allerdings mit unterschiedlichen Produkten. Im ersten Schritt kommt ein ölbasierter Reiniger zum Einsatz.
Dieser soll Make-up, Sonnencreme und überschüssigen Talg lösen. Anschließend folgt ein wasserbasierter Reiniger, der Schweiß, Schmutz und verbliebene Rückstände entfernt: "Ziel ist eine besonders gründliche, aber sanfte Reinigung der Haut", so die Dermatologin.
Vor allem Menschen, die täglich Make-up tragen oder regelmäßig Sonnenschutz verwenden, kennen das Gefühl, dass eine einfache Gesichtsreinigung manchmal nicht ausreicht. "Der Ölreiniger löst fettlösliche Rückstände sehr effektiv", erklärt Zbyszewski. "Im zweiten Schritt sorgt ein Reiniger auf Wasserbasis für eine vollständige, aber schonende Reinigung der Hautoberfläche."
Nicht jeder Hauttyp profitiert gleichermaßen von der Methode. Laut der Expertin gibt es bestimmte Gruppen, für die "Double Cleansing" besonders interessant sein kann: "Sinnvoll ist 'Double Cleansing' vor allem für Menschen, die regelmäßig Make-up und/oder wasserfeste Sonnencreme tragen oder zu fettiger Haut und verstopften Poren neigen", so die Hautärztin im "Heute"-Interview.
Gerade bei öliger Haut könne die gründlichere Reinigung helfen, Rückstände effektiver zu entfernen und das Hautbild zu verbessern.
So beliebt der Trend auch ist – die doppelte Reinigung ist nicht automatisch für jeden geeignet: "Bei sehr trockener, empfindlicher oder bereits irritierter Haut ist 'Double Cleansing' oft nicht notwendig und kann die Haut zusätzlich belasten", warnt die Wiener Dermatologin. Denn jede Reinigung bedeutet auch Stress für die Haut: Wird zu häufig oder mit ungeeigneten Produkten gereinigt, kann die natürliche Schutzfunktion beeinträchtigt werden.
Ein häufiger Kritikpunkt an dem Trend lautet, dass die doppelte Reinigung die Haut austrocknen oder die Hautbarriere schwächen könnte. Die Expertin gibt jedoch teilweise Entwarnung: "Das Konzept an sich schädigt die Hautbarriere nicht."
Probleme entstünden vielmehr durch die falsche Anwendung: "Zu aggressive Produkte oder zu häufiges Reinigen können zu Trockenheit, Spannungsgefühl oder Reizungen führen", erklärt Zbyszewski. In manchen Fällen könne die Haut sogar schlechter statt besser aussehen: "Eine überpflegte oder gereizte Haut kann dadurch auch unreiner wirken."
Ob "Double Cleansing" funktioniert, hängt deshalb vor allem von den verwendeten Produkten ab: Dermatologisch betrachtet sei die Kombination aus Ölreiniger und wasserbasiertem Reiniger grundsätzlich sinnvoll – allerdings nur dann, wenn beide Produkte mild formuliert sind und gut zum individuellen Hauttyp passen.