Die Gartenmöbel sind eingewintert, die Kürbisse stehen vor der Tür und die Winterjacke hängt bereits griffbereit. Nur eine hat offenbar den Herbstbeginn verschlafen: die Wespe! Während wir längst von Eiscreme auf Kürbissuppe umgestiegen sind, schwirren die gelb-schwarzen Brummer noch immer um unsere Köpfe. Aber warum eigentlich? Sollten die nicht längst Feierabend haben?
Tatsächlich neigt sich das Wespenjahr im Oktober seinem Ende zu. Die meisten Wespenvölker sterben im Herbst ab, sobald die Temperaturen sinken und die Nahrung knapp wird. Nur die jungen, bereits begatteten Königinnen überleben den Winter in geschützten Verstecken, um im nächsten Frühjahr neue Staaten zu gründen.
Doch solange die Herbstsonne noch einmal ordentlich Gas gibt, sind manche Arbeiterinnen weiterhin unterwegs. Besonders an milden Oktobertagen können uns deshalb noch Wespen begegnen. Der Klimawandel und zunehmend milde Herbstperioden können ihre Aktivitätszeit zusätzlich verlängern.
Dass Wespen im Spätsommer und Herbst besonders lästig erscheinen, hat einen einfachen Grund: Ihr Volk löst sich allmählich auf. Während die Arbeiterinnen im Sommer vor allem mit der Versorgung der Larven beschäftigt waren, suchen die verbliebenen Tiere nun verstärkt nach energiereicher Nahrung.
Und wo gibt es die? Natürlich bei uns! Reifes Fallobst, süße Getränke oder das letzte Stück Kuchen auf der Terrasse sind für hungrige Wespen ein gefundenes Fressen. Sie wollen uns also keineswegs absichtlich ärgern, sondern versuchen lediglich, ihren Energiebedarf zu decken.
Auch Igel könnten jetzt bei der Futtersuche vor dem Winter Hilfe brauchen - bitte beobachten, ob man sie auch tagsüber entdeckt:
So nervig die letzten Wespen des Jahres auch sein mögen: Ein bisschen Mitgefühl haben sie verdient. Schließlich stehen die meisten Arbeiterinnen ohnehin kurz vor ihrem natürlichen Lebensende. Außerdem sind Wespen wichtige Nützlinge, die zahlreiche andere Insekten erbeuten und damit zur natürlichen Schädlingsregulierung beitragen. Auch bei der Bestäubung von Pflanzen helfen sie mit.
Also? Ruhe bewahren, Getränke abdecken, Essensreste wegräumen und besonders auf Fallobst achten. Hat sich eine Wespe ins Wohnzimmer verirrt, lässt sie sich mit einem Glas und einem Stück Papier schonend nach draußen befördern.
Und vielleicht hilft beim nächsten summenden Besuch auch ein tröstlicher Gedanke: Während wir uns auf den gemütlichen Herbst freuen, erleben viele Wespen gerade ihre allerletzten Sonnentage. Ein bisschen Gastfreundschaft haben sie da durchaus verdient.