Der Duft von gegrilltem Fleisch liegt in der Luft, das Gemüse brutzelt am Rost und der Sommerabend scheint perfekt. Kaum jemand denkt in diesem Moment an eine versteckte Gefahr direkt am Grillrost. Doch genau dort kann ein winziges Detail zum ernsten Gesundheitsrisiko werden: feine Metallborsten von Grillbürsten. Was harmlos wirkt, kann zuletzt sogar zu schweren inneren Verletzungen und einem Leberabszess nach dem Grillen führen.
Im Kantonsspital Baselland entdeckten Ärzte bei zwei Patienten Verletzungen der Magenwand. In einem besonders schweren Fall führte die verschluckte Borste sogar zu einem Leberabszess – einer gefährlichen Eiteransammlung in der Leber. Laut einer aktuellen Studie der Universität Basel sind solche Fälle zwar selten, aber keineswegs harmlos. Die Forscher schreiben sogar, dass angesichts der Verletzungen bereits über ein Verbot von Grillbürsten mit Drahtborsten diskutiert wurde.
Das Problem: Die feinen Metallstücke sind oft kaum sichtbar. Gelangen sie mit Fleisch, Gemüse oder Brot auf den Teller, werden sie häufig unbemerkt verschluckt.
Wie oft solche Vorfälle tatsächlich passieren, ist schwer zu sagen. Viele Fälle werden vermutlich nie offiziell erfasst, weil Betroffene nur leichte Beschwerden haben oder die Ursache gar nicht erkannt wird.
Eine Untersuchung dokumentierte zwischen 2002 und 2014 insgesamt 43 bekannte Fälle – Experten gehen allerdings davon aus, dass die tatsächliche Zahl deutlich höher liegt. Eine weitere Analyse listete 91 schwere Fälle auf. In Kanada mussten zwischen 2011 und 2024 insgesamt 45 Menschen nach verschluckten Grillborsten in der Notaufnahme behandelt werden, 18 davon blieben stationär im Krankenhaus. Auch aus Dänemark wurde ein besonders drastischer Fall bekannt: Dort erlitt eine 51-Jährige durch eine verschluckte Borste sogar einen perforierten Dünndarm.
Vor allem ältere oder stark benutzte Grillbürsten gelten als Risiko. Mit der Zeit lockern sich die feinen Drähte, verbiegen sich oder brechen ab. Beim Schrubben bleiben sie dann unbemerkt am Rost hängen.
Das Risiko mag gering sein – ganz ausschließen lässt es sich aber nicht. Sogar große Hersteller mussten bereits reagieren: Weber rief in den USA mehr als 3,2 Millionen Grillbürsten zurück, nachdem Borsten abbrechen konnten. Auch Nexgrill startete einen Rückruf von über zehn Millionen Bürsten.
Wenn du deine Drahtbürste weiterverwenden willst, schau sie dir vor und nach dem Grillen genau an: Sind die Borsten locker, verbogen oder ausgefranst, solltest du sie entsorgen. Wisch den Rost nach dem Bürsten mit einem feuchten Tuch ab – so erwischst du eventuell lose Drähte.
Alternativen sind Holzschaber, Grillsteine, Spiralschaber ohne Borsten oder Nylonbürsten (nur bei kaltem Grill).