Plötzlich schwankt der Boden, jeder Schritt wird unsicher und selbst alltägliche Wege werden zur Herausforderung. Wer dauerhaft unter Schwindel leidet, kann dadurch massiv eingeschränkt werden. Jetzt kommt eine neue digitale Behandlungsoption nach Österreich: Die Therapie-App Vertidisan soll Betroffene mit einem Trainingsprogramm für zu Hause unterstützen.
Die App setzt auf regelmäßiges sensomotorisches Training. Über einen Zeitraum von 90 Tagen stehen Patienten mehr als 300 Übungen zur Verfügung, die individuell an die jeweiligen Beschwerden angepasst werden können. Trainiert werden unter anderem Gleichgewicht und Bewegungsabläufe. Dahinter steckt das Prinzip der sogenannten zentralen Schwindelkompensation: Das Gehirn soll durch wiederholte Reize lernen, gestörte oder widersprüchliche Informationen des Gleichgewichtssystems besser auszugleichen.
Ein entscheidender Unterschied zu klassischen Therapieterminen: Das Training findet digital statt und kann damit regelmäßig zu Hause durchgeführt werden.
Zum österreichischen Marktstart verweist der Anbieter auf die Ergebnisse einer randomisierten kontrollierten Studie aus Deutschland mit insgesamt 212 Erwachsenen. Die Teilnehmer waren zwischen 18 und 92 Jahre alt. 106 Personen absolvierten das digitale Vertidisan-Programm, weitere 106 erhielten eine physiotherapeutische Standardbehandlung.
Nach Angaben der Studienautoren gingen die Schwindelbeschwerden in der Vertidisan-Gruppe durchschnittlich um 66,2 Prozent zurück. In der Vergleichsgruppe betrug die Verbesserung 16,8 Prozent. Insgesamt hätten 87 Prozent der mit dem digitalen Programm behandelten Teilnehmer davon profitiert.
Gerade chronischer Schwindel kann weit über das unangenehme Gefühl hinausgehen, dass sich plötzlich alles dreht. Betroffene können beim Gehen unsicher werden und aus Angst vor einer weiteren Attacke bestimmte Situationen oder Aktivitäten vermeiden. Damit droht ein Teufelskreis: Wer sich aus Angst immer weniger bewegt, trainiert auch das Gleichgewichtssystem weniger. Regelmäßige Übungen spielen deshalb bei verschiedenen Schwindelerkrankungen eine wichtige Rolle.
Hier sollen digitale Angebote einen praktischen Vorteil bieten: Statt ausschließlich auf einzelne Therapietermine angewiesen zu sein, können Betroffene Übungen in ihren Alltag integrieren und regelmäßig wiederholen.
Mit der Präsentation beim österreichischen HNO-Kongress am 23. September 2026 soll Vertidisan nun auch hierzulande eingeführt werden. Dort wird das Programm zunächst HNO-Ärzten und anderen Fachleuten präsentiert.
Wichtig bleibt allerdings: Schwindel ist keine einzelne Erkrankung, sondern ein Symptom mit zahlreichen möglichen Ursachen. Hinter den Beschwerden können unter anderem Erkrankungen des Gleichgewichtsorgans, neurologische Probleme oder andere medizinische Ursachen stecken. Neu auftretender, starker oder anhaltender Schwindel sollte deshalb medizinisch abgeklärt werden.