Trotz EU-Sanktionen

"Schattenpost" nach Moskau: Illegales System aufgedeckt

In Deutschland soll ein illegales Paket-System nach Russland laufen. Trotz EU-Sanktionen wird so verbotene Ware nach Moskau gebracht.
Lara Heisinger
25.01.2026, 18:05
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk

Mit versteckten GPS-Sendern haben Reporter der "Bild"-Zeitung nach eigenen Angaben nachverfolgt, wie Pakete aus Deutschland trotz EU-Sanktionen Richtung Russland gelangen. Die monatelange Recherche soll ein mutmaßlich illegales Paket-System aufgedeckt haben, das dem Bericht zufolge "problemlos" funktioniert.

Im Zentrum soll eine Art "Schattenpost" stehen, die demnach während laufender Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Berlin gegen Führungspersonen der RusPost GmbH entstanden sei. Die Behörde prüft im Komplex seit 2022 mögliche Verstöße gegen EU-Sanktionen.

Verbotene Ware

Der Zoll soll in Dutzenden Sendungen, die RusPost von Deutschland nach Moskau transportieren wollte, verbotene Waren gefunden habe – genannt werden Elektrogeräte, Bargeld und Schmuck. Ein Top-Manager soll inzwischen angeklagt werden.

Nach den Recherchen rückt nun eine Ende 2022 gegründete Logistikfirma in den Fokus. Am Firmensitz in Köln hänge demnach "nur ein Briefkasten", die operative Abwicklung soll über eine Lagerhalle nahe dem Flughafen BER laufen. Von dort aus würden regelmäßig 40-Tonner mit Paketen Richtung Moskau starten.

Versand nur mit Barzahlung

Um das System zu testen, habe "Bild" nach eigenen Angaben in russischen Supermärkten das Angebot der Logistikfirma genutzt und fünf Pakete, ausgestattet mit versteckten GPS-Peilsendern, aufgegeben.

Auf Versandzetteln seien ein falscher Name und harmlose Inhalte (Bücher, Schals, Mützen) angegeben worden, tatsächlich seien "sanktionierte (aber unbrauchbar gemachte) elektronische Bauteile" verschickt worden. Der Versand habe laut Bericht 26 Euro (bis zwei Kilo) gekostet – in bar, eine Quittung sei abgelehnt worden.

Usbekische Versandetiketten

Brisant: Eine Supermarkt-Mitarbeiterin klebte Versandetiketten der usbekischen Staatspost (UzPost) auf die Sendungen – obwohl UzPost "laut Bundesnetzagentur in Deutschland gar nicht operieren darf". Die Zeitung beruft sich zudem auf Insider, die von einer vertraulichen Vereinbarung zwischen russischer und usbekischer Staatspost sprechen.

Die Peilsender hätten gezeigt, dass die Pakete nach ein bis zwei Tagen aus den Supermärkten in die Lagerhalle südöstlich von Berlin gebracht worden seien. Die "Bild" schreibt außerdem, hinter der Halle parke regelmäßig der BMW von "Dimitri V. (50, Name geändert)", einem Ex-Geschäftsführer der RusPost GmbH.

Die Staatsanwaltschaft habe auch gegen ihn ermittelt, das Verfahren aber 2024 "aus Mangel an Beweisen" eingestellt. Die Zeitung will dokumentiert haben, dass er nun bei der Logistikfirma "diskret die Fäden zieht".

Paket-Sendungen überquerten Belarus

Die Route soll von Berlin über Polen nach Belarus und weiter nach Moskau gehen. Die Sendungen hätten "nahezu ungehindert" die EU-Außengrenzen bei Brest (Belarus) überquert – "ein Sanktionsbruch", heißt es im Bericht, da auch Belarus EU-Sanktionen unterliegt. Kontrollen hätten demnach "offenbar nicht stattgefunden".

Die Logistikfirma wies die Vorwürfe gegenüber "Bild" zurück und erklärte: "Unsere Kontrollmechanismen sind so ausgelegt, dass Verstöße gegen die EU-Sanktionen praktisch ausgeschlossen sind." Sendungen, die nicht den gesetzlichen Anforderungen entsprechen, würden nicht weiterbearbeitet.

Gleichzeitig habe das Unternehmen eingeräumt, man sei gegen "betrügerische Falschdeklarationen", wie es die Reporter durchgeführt haben, nicht geschützt.

Bundesnetzagentur prüft den Fall

Die Kooperation mit UzPost habe die Firma telefonisch bestätigt und für rechtens gehalten. UzPost habe eine Zusammenarbeit mit privaten Postdienstleistern ebenfalls eingeräumt: "Sie können unsere Lösungen für Lieferungen nutzen."

Die Bundesnetzagentur sehe das anders und bezweifle, dass UzPost berechtigt sei, über einen Dienstleister in Deutschland tätig zu werden. "Die Bundesnetzagentur überprüft aktuell" den Fall, zitieren die Reporter einen Sprecher. Sollten tatsächlich usbekische Dokumente ohne Berechtigung genutzt worden sein, hätte das "schwerwiegende Konsequenzen".

{title && {title} } LH, {title && {title} } Akt. 25.01.2026, 18:14, 25.01.2026, 18:05
Jetzt E-Paper lesen