In Danzig (Polen) geht es in diesen Tagen um das größte Wiederaufbauprojekt Europas seit dem Zweiten Weltkrieg: die Ukraine. Bei der mittlerweile fünften Ukraine-Wiederaufbaukonferenz kommen Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und internationalen Institutionen zusammen. Österreich ist heuer erstmals auf Ebene des Regierungschefs vertreten – Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) ist vor Ort.
Die Dimension ist gewaltig: Laut Weltbank wird der Wiederaufbau der Ukraine in den kommenden zehn Jahren rund 588 Milliarden US-Dollar (=rund 517 Milliarden Euro) kosten. "Dies belegt das schier unglaubliche Ausmaß an Brutalität und Zerstörung, dem die Ukraine nun schon im fünften Jahr ausgesetzt ist. Der russische Angriffskrieg geht unvermindert weiter", so der Kanzler.
Für Stocker ist der Wiederaufbau nicht nur humanitäre Pflicht. Er sieht darin auch eine strategische Entscheidung für Europa. Der Aufbau einer starken, modernen und europäischen Ukraine sei eine Investition in Sicherheit, Stabilität und Wohlstand des gesamten Kontinents.
Ein Schwerpunkt der Konferenz liegt auf der Frage, wie der private Sektor stärker eingebunden werden kann. Genau hier sieht Stocker große Chancen für Österreichs Wirtschaft. "Österreichische Unternehmen sind in der Ukraine seit langem geschätzte und verlässliche Partner."
„Vom Wiederaufbau in der Ukraine sollen auch österreichische Unternehmen profitieren. Ich sehe mich als Türöffner für unsere heimische Wirtschaft.“Christian StockerBundeskanzler (ÖVP)
Vor dem Krieg war Österreich der sechstgrößte ausländische Investor in der Ukraine. Rund 1.000 österreichische Unternehmen sind dort aktiv, etwa 200 davon mit eigener Niederlassung. Trotz der schwierigen Situation schaffen sie laut Kanzleramt rund 30.000 Arbeitsplätze vor Ort.
Auch wirtschaftlich zieht die Zusammenarbeit wieder an: Im ersten Quartal 2026 stiegen die österreichischen Exporte in die Ukraine um mehr als 30 Prozent – und lagen damit erstmals wieder über dem Vorkriegsniveau von 2021.
Vertreter von mehr als 20 österreichischen Spitzen-Unternehmen sind bei der Konferenz in Danzig vertreten: Dazu gehören unter anderem ASFINAG, Frequentis, Palfinger, RAG Austria, Primetals, RBI, Uniqa, Verbund und Voestalpine. Sie bringen Know-how in Bereichen mit, die die Ukraine dringend braucht: Finanzierung, Infrastruktur, Energie, Bauwesen und Nachhaltigkeit.
Stocker macht klar, dass Österreich beim Wiederaufbau nicht nur helfen, sondern auch wirtschaftlich profitieren soll. "Vom Wiederaufbau in der Ukraine sollen auch österreichische Unternehmen profitieren. Ihr Know-How wird ganz entscheidend sein in der Zukunft. Denn es geht beim Wiederaufbau nicht darum, den vergangenen Zustand wieder herzustellen. Vielmehr ist es eine Investition in die Zukunft", so der Kanzler.
Stocker erklärt: "Unser aller Ziel ist klar: Eine souveräne, sichere Ukraine, die auf Frieden, Demokratie und Wohlstand aufgebaut ist. Ich sehe mich als Türöffner für unsere heimische Wirtschaft."
Neben den Wirtschaftsterminen stehen auch politische Gespräche auf dem Programm. Stocker trifft in Danzig den polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk sowie die ukrainische Ministerpräsidentin Yulia Svyrydenko zu bilateralen Gesprächen.