Auf Österreichs Wirtschaft kommt in den nächsten Jahren eine gewaltige Aufgabe zu: Bis 2030 muss fast jedes zweite mittelständische Unternehmen eine Nachfolge finden. Das zeigt eine aktuelle Studie von Creditreform Österreich und dem Beratungsunternehmen CH Consult. Immer öfter übernehmen dabei externe Käufer oder Mitarbeiter den Betrieb, während die klassische Übergabe innerhalb der Familie weniger wird.
Für Creditreform steht fest: Die Unternehmensnachfolge ist längst nicht mehr nur ein Thema für einzelne Firmen, sondern eine zentrale Frage für ganz Österreich. "Die erfolgreiche Unternehmensnachfolge sichert Arbeitsplätze, erhält Know-how und stärkt regionale Wirtschaftsstrukturen. Jede gescheiterte Nachfolge bedeutet den Verlust von Wertschöpfung und unternehmerischer Substanz", sagt Mag. Gerhard M. Weinhofer von Creditreform Österreich.
Laut Studie brauchen 45 Prozent der heimischen Unternehmen bis 2030 eine Lösung für die Nachfolge. Besonders betroffen sind Oberösterreich und Salzburg. Dort steht schon jetzt mehr als die Hälfte der Betriebe vor dieser Herausforderung. Der Bedarf zieht sich quer durch alle Branchen – von Industrie über Bau bis Handel und Dienstleistungen.
Die Untersuchung zeigt auch: Immer mehr Unternehmen setzen auf eine familienexterne Nachfolge. Schon 40 Prozent planen, den Betrieb entweder an Investoren zu verkaufen oder an das eigene Management beziehungsweise an Mitarbeiter zu übergeben. In manchen Bundesländern liegt dieser Wert sogar schon über 45 Prozent.
Die klassische Übergabe innerhalb der Familie bleibt zwar wichtig, verliert aber an Boden. Wo sie gelingt, passiert das in 80 Prozent der Fälle ohne finanzielle Abgeltung innerhalb der Familie. "Die Unternehmensnachfolge zählt zu den komplexesten Phasen im Lebenszyklus eines Unternehmens. Wer frühzeitig plant, schafft die besten Voraussetzungen für einen erfolgreichen Generationenwechsel", erklärt Christian Hurek, Partner von CH Consult.
Die Studie gibt aber auch Anlass zur Hoffnung: Schon 34 Prozent der befragten Unternehmer können sich vorstellen, selbst einen Betrieb im Rahmen einer Nachfolge zu übernehmen. Dadurch steigt die Zahl möglicher Käufer, was auch neue Chancen für Firmen bedeutet, bei denen niemand aus der Familie übernehmen möchte. Creditreform erwartet, dass der Markt für Übernahmen in den nächsten Jahren deutlich wichtiger wird.
Die Ergebnisse passen zu den Prognosen der KMU Forschung Austria und der Wirtschaftskammer. Die besagen, dass 2029 rund 51.000 Arbeitgeberbetriebe eine Nachfolgelösung brauchen werden. Davon hängen etwa 692.000 Arbeitsplätze ab. Die 2026 gegründete Nachfolge-Taskforce des Wirtschaftsministeriums, der Wirtschaftskammer und der Jungen Wirtschaft zeigt, wie wichtig das Thema für die Politik geworden ist.
Creditreform betont: Eine erfolgreiche Nachfolge beginnt nicht erst mit der Übergabe, sondern schon Jahre davor. Bewertung des Unternehmens, Finanzierung, rechtliche und steuerliche Fragen sowie die Suche nach dem passenden Nachfolger müssen früh angegangen werden.
"Viele Unternehmer unterschätzen den zeitlichen Vorlauf einer erfolgreichen Nachfolge. Wer erst kurz vor dem Ausstieg mit der Planung beginnt, schränkt seine Handlungsmöglichkeiten deutlich ein. Eine professionelle Vorbereitung und Begleitung des Nachfolgeprozesses erhöht die Erfolgschancen erheblich", so Weinhofer.
- 45 Prozent der Unternehmen brauchen bis 2030 eine Nachfolgelösung.
- 40 Prozent planen eine familienexterne Übergabe.
- 34 Prozent der Unternehmen interessieren sich für die Übernahme eines Nachfolgebetriebs.
- 80 Prozent der familieninternen Übergaben passieren ohne finanzielle Abgeltung.
Die Studie wurde von Creditreform Österreich gemeinsam mit CH Consult durchgeführt. Grundlage ist die halbjährliche Mittelstandsbefragung der Creditreform Wirtschaftsforschung mit rund 1.400 Unternehmern sowie Geschäftsführern heimischer Betriebe aus Industrie, Bau, Handel und Dienstleistungen.