Kopfhörer rein, Musik an und loslaufen: Für viele gehört Joggen längst zum Alltag. Das Handy darf dabei fast nie fehlen – schließlich trackt es die Strecke, spielt Podcasts ab oder zeigt die Uhrzeit. Weil Taschen oft fehlen oder das Smartphone beim Laufen stört, tragen es viele einfach permanent in der Hand. Genau das könnte allerdings ein großer Fehler sein. Denn die scheinbar harmlose Gewohnheit verändert offenbar den gesamten Laufstil – und kann langfristig sogar Schmerzen verursachen.
Viele Läufer denken beim Joggen vor allem an Tempo, Ausdauer oder die richtige Atmung. Wie stark selbst kleine Bewegungen den Körper beeinflussen können, wird dagegen oft unterschätzt.
Sportwissenschaftler und Laufexperte Gert-Peter Brüggemann erklärt im "Welt"-Interview, dass ein Smartphone in der Hand die natürliche Armbewegung beim Laufen verändert. Das Gerät wiegt zwar oft nur rund 200 Gramm – beim Joggen kann dieses zusätzliche Gewicht den Armschwung allerdings deutlich beeinflussen. Der Grund: Die Armbewegungen geraten asymmetrisch. Eine Körperseite arbeitet dadurch anders als die andere.
Beim Joggen helfen die Arme normalerweise dabei, die Laufbewegung auszugleichen und den Körper stabil zu halten. Genau dieses Zusammenspiel verändert sich jedoch, wenn dauerhaft ein Gewicht in nur einer Hand getragen wird.
Laut Brüggemann erhöht sich der sogenannte Drehimpuls des Armschwungs dadurch deutlich. Einfach gesagt: Der Körper muss ständig minimal gegensteuern. Viele Menschen bemerken das zunächst gar nicht. Langfristig könne genau diese ungleichmäßige Belastung allerdings die Lauftechnik verschlechtern und den Körper unnötig stressen.
Besonders problematisch wird laut Experten die oft unbewusst verkrampfte Haltung beim Handyhalten. Viele Läufer spannen die Hand ständig an, greifen das Smartphone fest oder bewegen den Arm weniger locker.
Genau das kann Auswirkungen auf Schultern, Nacken und Rücken haben. Laut dem Sportexperten entstehen dadurch häufig Verspannungen im Schulterbereich, an der Brustwirbelsäule oder im unteren Rücken. Wer regelmäßig so läuft, belastet den Körper mit jedem einzelnen Schritt leicht asymmetrisch – oft über viele Kilometer hinweg.
Neben möglichen Beschwerden leidet auch die Laufeffizienz: Der Körper arbeitet weniger ökonomisch, Bewegungen werden unnötig anstrengend und der Laufstil insgesamt unruhiger.
Ganz ohne Smartphone wollen die meisten beim Joggen trotzdem nicht laufen. Schließlich nutzen viele das Gerät für Musik, Navigation oder Fitness-Apps.
Experten empfehlen deshalb, das Handy möglichst nah am Körper zu tragen – etwa in einer kleinen Oberarmtasche, einem Laufgürtel oder einer engen Tasche an der Hüfte. Dadurch bleibt die Armbewegung deutlich natürlicher und der Körper wird gleichmäßiger belastet.
Für einen gesunden Laufstil gilt vor allem eines: Die Hände sollten möglichst entspannt bleiben. Idealerweise schwingen die Arme locker mit, die Hände bleiben leicht geöffnet und die Schultern entspannt. Genau dadurch läuft der Körper effizienter – und oft auch deutlich angenehmer.