Manchmal braucht es nicht mehr als eine frisch gepflückte Erbsenschote. Ein kurzer Knack, ein Griff hinein und schon landen die kleinen grünen Kugeln direkt im Mund. Doch während bei vielen Hülsenfrüchten vor dem Rohverzehr gewarnt wird, fragen sich viele: Darf man Erbsen tatsächlich ungekocht essen?
Bohnen, Kichererbsen oder Linsen sollten grundsätzlich nicht roh verzehrt werden. Der Grund dafür sind natürliche Pflanzenstoffe wie das Eiweiß Phasin, das in größeren Mengen gesundheitsschädlich sein kann.
Bei Erbsen sieht die Sache allerdings anders aus: Sie enthalten keine bedenklichen Mengen dieses Stoffes und gelten deshalb als eine der wenigen Hülsenfrüchte, die grundsätzlich auch roh gegessen werden können. Vor allem frische grüne Erbsen direkt aus der Schote sind für viele ein beliebter Snack: Sie schmecken angenehm süß, knackig und erinnern geschmacklich fast an eine Mischung aus Gemüse und Nüssen.
Wer von Erbsen spricht, meint allerdings nicht immer dieselbe Pflanze. Tatsächlich gibt es verschiedene Sorten, die sich deutlich unterscheiden. Besonders gut für den Rohverzehr geeignet sind junge grüne Gartenerbsen: Je frischer sie geerntet werden, desto süßer und zarter sind sie meist.
Mit zunehmender Reife verändert sich jedoch die Struktur. Ältere Erbsen werden mehliger und können bei empfindlichen Menschen leichter Verdauungsbeschwerden verursachen. Wie viele Hülsenfrüchte können auch sie Blähungen fördern, vor allem, wenn größere Mengen gegessen werden.
Noch besser für den direkten Verzehr eignen sich Zuckererbsen: Dazu gehören beispielsweise Zuckerschoten oder Kaiserschoten. Bei diesen wird nicht nur die Erbse selbst gegessen, sondern die gesamte Schote. Sie bleibt besonders zart und muss nicht geschält werden.
Anders sieht es bei getrockneten Erbsen aus, wie sie häufig für Suppen oder Eintöpfe verwendet werden: Die sogenannten Palerbsen haben kaum noch Wasser, sind sehr hart und enthalten verschiedene natürliche Pflanzenstoffe, die die Verdauung erschweren können. Dazu zählen unter anderem Lektine und sogenannte Antinährstoffe.
Im rohen Zustand sind sie deshalb weder besonders bekömmlich noch angenehm zu essen. Erst durch Einweichen und anschließendes Kochen werden diese Stoffe weitgehend abgebaut. Getrocknete Erbsen sollten daher grundsätzlich immer gegart werden.
Erbsen gelten als echtes Nährstoffpaket. Sie liefern hochwertiges pflanzliches Eiweiß, Ballaststoffe sowie zahlreiche Vitamine und Mineralstoffe. Beim Rohverzehr bleiben viele dieser Inhaltsstoffe erhalten. Gleichzeitig kann der Körper manche Nährstoffe aus gegarten Erbsen sogar besser aufnehmen. Welche Variante gesünder ist, lässt sich daher nicht pauschal beantworten.
Fest steht jedoch: Frische grüne Erbsen oder Zuckererbsen dürfen ohne Bedenken roh genascht werden – vorausgesetzt, sie sind frisch und werden gut vertragen.