Im Sommer hatte Vizekanzler und SPÖ-Chef Andreas Babler für mediale Aufmerksamkeit gesorgt. In einer Anfragebeantwortung hatte er zugegeben, in seiner Funktion die Dienste von Stylisten, Visagisten und Friseuren in Anspruch genommen zu haben. Nach Kritik daran versuchte er aber zu beruhigen: Den Steuerzahler habe dieses optische Upgrade nichts gekostet.
Jetzt hat der nächste SPÖ-Politiker sein Visagisten-Gate: Finanzminister Markus Marterbauer, der "Sparefroh" der Regierung. In der Beantwortung einer Anfrage der grünen Vizeparteichefin Alma Zadic räumt er ein, im dritten Quartal eine Visagistin gebucht zu haben. Anlass: ein Fotoshooting für Porträts des Ministers.
Die Kosten dafür beziffert Marterbauer mit 456 Euro. Verrechnet wurde diese Summe am 28. August. Und das wohl auf Steuerzahlerkosten – zumindest gibt der Minister nichts Gegenteiliges an.
Auch im Ministerium gilt der Hausherr als Sparmeister. So lässt er bei Veranstaltungen teilweise nur Leitungswasser servieren und nicht einmal Kaffee. Und auch für die Mitarbeiter heißt es Leitungs- statt Mineralwasser, wie hinter vorgehaltener Hand berichtet wird.
Hauptstoßrichtung der Anfrage von Zadic waren die Kosten der einzelnen Ministerbüros für externe Beraterverträge. Dafür gab das Finanzministerium von Juli bis September exakt 131.886 Euro aus. Zumindest hier wurde der Sparstift angesetzt. Denn im zweiten Quartal lagen die Kosten noch bei 265.057 Euro und damit mehr als doppelt so hoch.
Ein Auftrag sticht dabei heraus: Die "Vielfarben Beratung und Training OG" erhielt mittels Direktvergabe 19.440 Euro. Das Steuergeld floss in die Trainings "Erfolgreich kommunizieren" und "Erfolgreiches Konfliktmanagement". Zielgruppe waren unterschiedliche Abteilungen im Haus und nicht das Ministerbüro oder der Minister selbst, wie das Ministerium betont. Der Auftrag wurde direkt vergeben, auch Vergleichsangebote wurden eingeholt.
Zu den Ausschreibungen in seinem Haus hält der Minister wörtlich fest: "Die Ausschreibungsprozesse richten sich nach dem Bundesvergabegesetz 2018 sowie nach den internen Vergabe-Richtlinien im Bundesministerium für Finanzen (BMF). Vergaben von Leistungen erfolgen im BMF grundsätzlich nach dem Mehraugenprinzip … Prüfungen und Kontrollen bei Vergabevorgängen erfolgen sehr gewissenhaft."